Das Wort dem Rektor
Rede des Rektors zur Eröffnung des Akademischen Jahres 2010/2011
Erstmals seit der Gründung der Freien Universität Bozen begehen wir die Feier der Eröffnung des neuen akademischen Jahres nicht auf einer Baustelle, sondern auf einem konsolidierten Campus. Mit der pünktlich zu Semesterbeginn erfolgten Übergabe der Werkstätten für die Fakultät für Design und Künste schloss sich das letzte Bauloch. Gleichzeitig konnte die Fakultät für Naturwissenschaft und Technik ein Massenspektrometer der neuesten Generation in Betrieb nehmen. So konsolidiert sich unsere Universität. Wir sind stolz und dankbar für die vorzüglichen Arbeits- und Studienbedingungen, die uns das Land und damit seine Bevölkerung beschieden hat, und ich möchte an dieser Stelle allen Verantwortlichen nochmals herzlich danken.
Danken möchte ich hier auch dem Präsidenten des vormaligen Universitätsrats, RA Dr. Egger und allen Mitgliedern, die im Frühjahr ihre Arbeit beendeten und die einen ganz wesentlichen Beitrag geleistet haben zum Gelingen des Projekts Freie Universität Bozen und die mit viel Umsicht, Geduld und Voraussicht eine entscheidende Entwicklungsphase geleitet haben. Gleichzeitig möchte ich dem neuen Universitätsrat meine Anerkennung aussprechen dafür, dass er sich unter der Leitung von Prof. Konrad Bergmeister klare Zeichen setzt für die nächste Entwicklungsphase unserer Universität.
Die Investitionen bedeuten aber vor allem eine Verpflichtung für uns als akademische Gemeinschaft, unsere wissenschaftliche Aufgabe, sowie unsere gesellschaftliche Verantwortung voll wahrzunehmen. Es ist doch so, dass wir gerade durch gute wissenschaftliche Arbeiten unserer gesellschaftlichen Verantwortung nachkommen. In diesem Sinn sehen wir mehrere Qualitätsinitiativen vor, um unsere bisherigen Erfolge im nationalen und internationalen ranking nachhaltig zu konsolidieren.
Evaluation geschieht auch auf informelle Weise. So sind in diesem Studienjahr die Vorinskriptionen bei den meisten Studiengängen signifikant angestiegen, was uns die Bestätigung gibt, dass sich unsere Studienangebote mit denen anderer Universitäten messen lassen. Unsere Universität will eine Universität für alle sein auch für Menschen mit Lebenserfahrung, denen die Idee eines universitären Studiums nicht als Selbstverständlichkeit in den Schoß fiel, sondern die hart darum ringen mussten. Es bewerben sich auch Menschen, die aufgrund von Krankheit und Behinderung besondere Bedürfnisse haben und wir werden auf die Interessen dieser Studierenden mit großem Verantwortungsbewusstsein eingehen. Wir werden in diesem akademischen Jahr auch das Projekt Kinderuniversität lancieren, und um hervorzuheben, wie ernst es uns mit der wissenschaftlichen Begründung dieses Projekt ist, habe ich Frau Prof. Dr. Gisela Lück, die führende Expertin im Bereich der Didaktik der Naturwissenschaft, eingeladen, heute die lectio magistralis zu halten.
Ihre Forschungsergebnisse zeigen, dass es möglich ist, naturwissenschaftliches Denken schon im frühkindlichen Alter zu entwickeln. Daraus erwächst die bildungspolitische Aufgabe, diese Möglichkeit auch tatsächlich zu realisieren und damit zudem noch Kindern aus benachteiligten Kreisen Zugang zu naturwissenschaftlichen Bildungschancen zu eröffnen – in ihrem Interesse und im Interesse der Gesellschaft. Diese Überlegungen bilden den Kerngedanken, an dem sich die weitere Entwicklung dieser Universität orientieren wird: Die Universität versteht sich als Wegbereiter langfristiger und nachhaltiger Innovation. Innovation als universitäre Angelegenheit unterscheidet sich ganz wesentlich von einer naiven Fortschrittsgläubigkeit, die weltweit ohnehin einer Skepsis gewichen ist bezüglich der Chancen, dass Modernisierung und technische Errungenschaften automatisch die Verbesserung von Lebens- und Arbeitsbedingungen bringen könnten. Die Unterscheidung zwischen Fortschritt und Innovation könnte gerade für unsere Region eine besondere Bedeutung haben, da hier nie ein naiver Fortschrittsgedanke Fuß fassen konnte. Die starke Verwurzelung in Traditionen, die Aufmerksamkeit, die man der Bewahrung der Natur schenkt, die geographischen Grenzen, die einer gesteigerten Urbanisierung gesetzt sind, sorgten dafür, dass trotz vereinzelter Beispiele der Faszination mit dem Fortschrittsgedanken eine generell konservative Tendenz im besten Sinne vorherrschte. Innovation positioniert sich hier nicht als Gegensatz zu Tradition, vielmehr knüpft sie an Gegebenem an, nützt vorhandene Ressourcen, aber entzündet sie gleichsam durch einen Funken, der ihr Potential neu leuchten lässt, durch neue Kombinationen mit frischen Erkenntnissen, durch eine neue Denkweise im Gebrauch des Vorhandenen, durch „Denken außerhalb der gegebenen Kategorien“, thinking outside the box.
Ecco, dov’è il ruolo scientifico e sociale dell’Università: nella ricerca che è sì, ricerca applicata, ma che è anche, e soprattutto, ricerca di base. L’Università è il luogo deputato ad affrontare criticamente e a diffondere questi saperi. E deve anche contribuire affinché il desiderio di partecipare a questa ricerca possa coinvolgere tutti gli strati della popolazione. E’ questa, infatti, la ragione d’essere della nostra Università: Il sapere per tutti, e far crescere il desiderio di sapere anche nei giovanissimi. Vorrei ricordare, che Piero Calamandrei, sessant’anni fa, nel suo memorabile discorso sulla scuola pubblica, ha definito l’articolo 34 come l’articolo più importante della Costituzione italiana. Cito: “La scuola – e io aggiungo: l’Università –è aperta a tutti. I capaci ed i meritevoli, anche se privi di mezzi, hanno diritto di raggiungere i gradi più alti degli studi”. Noi accettiamo questo mandato allargando la nostra offerta formativa ben oltre la laurea triennale, proponendo più corsi di laurea magistrale e corsi di dottorato di ricerca che portano i nostri giovani ai massimi livelli del sapere istituzionale. Questo radicamento ai fondamenti del sapere e della ricerca dà i suoi frutti proprio nel momento in cui questi saperi entrano nella pratica della progettazione e della produzione. L’innovazione si sviluppa proprio in quelle regioni del mondo in cui si creano spazi liberi, nei quali scienziati, imprenditori, politici, amministratori pubblici e membri della società civile possono incontrarsi e confrontarsi. Questo non succede solo sul versante del miglioramento delle soluzioni tecniche per i prodotti o della migliore efficienza economica delle aziende, e nemmeno su quello del contenimento della spesa pubblica, ma sul versante dello sviluppo sostenibile, ecologico e socialmente responsabile. Si tratta di costruire un sistema socio-economico complessivo. In questo senso gli aspetti culturali, lungi dall’essere un lusso, soddisfanno un’esigenza sociale, che vede l’Università come uno degli attori principali. In quest’ottica si muove per l'appunto il progetto, nel breve periodo, di intensificazione dei rapporti con gli istituti musicali ed artistici della nostra provincia. E proprio nell’attività musicale si cela un enorme potenziale innovativo, in stretta analogia a quanto accade in tutti i campi della scienza con le competenze di matrice filosofica, la cui importanza è ancora tutta da scoprire.
And in this spirit we want to launch a concerted initiative to deepen the understanding of and stimulate the interest for natural science matters among young people in this region. I see no reason why we could not become a model region in this regard, a region where interest in natural science even among very young children is no longer regarded as an exception and as something that is in contrast with interests in cultural or social pursuits but where it blends with those and astonishes the world precisely because the world, wrongly, does not expect science-driven innovation to come from non-metropolitan areas. We heard two years ago on the occasion of our inauguration ceremony from Aldo Bonomi that there is no reason why the alpine region could not become the future version of a metropolis, a metropolis which does not represent the conquest and elimination of the influence of nature on its living conditions, but which builds them around a thoughtful, scientifically grounded relationship with nature. What exciting prospects loom here for young people – and not only those! – to become involved in a project which transcends the old dichotomies between nature and technology, tradition and transformation, pride in cultural identity and openness for cultural diversity, local and international orientation, entrepreneurial spirit and social responsibility for fairness and equality. By ‘doing science’ in a playful, socially interactive way children learn, as Prof. Lück demonstrates, not only to understand their physical environment from its foundations – they learn above everything else to ask questions, to not take appearances for granted but to search for evidence and well grounded explanations, they learn to participate actively in their communities. These are the competences upon which we want to build the future development and the innovative role of this university. The reforms in the school system which we are facing are an opportunity to work for greater consistency between pedagogical approaches at school and at university. From this perspective I value also the opportunity which our regional politicians have provided us with their clear commitment that linguistic competence in all three languages of this university shall become our mark of distinction. It would be interesting to speculate whether a programme stimulating scientific curiosity in children at an early stage, together with special attention given to musical and artistic pursuits, will also have an impact on the linguistic competences of young people and students. These skills are all part of an aware, confident and well grounded personality which develops during the crucial developmental phases of childhood and upon which university learning builds further levels of competence.
Südtirol ist ein Land, das großen Veränderungen entgegensieht. Die notwendigen Sparmaßnahmen sind ein äußeres Zeichen, das auf ein Umdenken verweist, dass wir mit wertvollen Ressourcen sorgsam umgehen müssen. Auch die geistigen, intellektuellen Ressourcen der Menschen sind wertvolle Ressourcen, ja, die wertvollste überhaupt, die wir haben. Die Lernmöglichkeiten, die zum Erbe dieses Landes gehören, die Mehrsprachigkeit, die Teilhabe an mehreren Kulturen, erhalten in dieser Zeit einen deutlich höheren Wert. In diesem Sinne ist die Universität eine Stätte der Innovation, und sie wird es umso mehr, je weiter sich die Kreise derer ausdehnen, die an diesem Projekt mit uns zusammenarbeiten. Ich wünsche uns allen ein fruchtbares und kreatives akademisches Jahr.
Prof. Dr. Walter A. Lorenz
Rektor
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