In einem winzigen, nachtschwarzen Tunnel gefangen, zwischen Leben und Tod, und doch bei all der Pein den Mut nicht verlierend, das ist der Nobelpreisträger Adolfo Maria Pérez Esquivel, der gestern Abend dem Publikum an der Uni tiefen Respekt abrang. „Wir sind froh, diesen Dialog mit Ihnen und den Gästen des Bozner Friedenszentrums über die Jahre hinweg führen zu können, an einem Ort, der für Bildung und Reflexion steht“, begrüßte ihn Rektor Prof. Walter Lorenz.
Adolfo Maria Pérez Esquivel hat 1980 den Friedensnobelpreis für seine Anprangerung des Missbrauchs der argentinischen Diktatur in den 70er Jahren erhalten. Er selbst ist Architekt und Bildhauer und lehrte an diversen Universitäten. Seit 1974 widmet er sich ausschließlich dem Kampf gegen soziale und politische Ungerechtigkeit mit vollkommen pazifistischen Methoden, ähnlich jenen von Mahatma Gandhi.
1977 wurde Pérez Esquivel von der argentinischen Polizei 14 Monate ohne Prozess festgehalten und gefoltert. In dem Tunnel, in welchem er gefangen gehalten wurde und in dem er weder stehen noch sehen konnte, der über keine Toilette und kein fließend Wasser verfügte, hatte ein Gefangener vor ihm mit Blut „Gott tötet nicht“ geschrieben. Diese Aussage „Gott tötet nicht“ ist auch der Titel des Buches, das der Bozner Journalist Arturo Zilli über ihn verfasst hat, nachdem Pérez Esquivel vor einigen Jahren zum ersten Mal auf Einladung des Friedenszentrums in Bozen war.
Der Abend gestern in der Aula Magna war Teil der Feier zum zehnjährigen Bestehen des Friedenszentrums, über das dessen Leiter Francesco Comina gestern auch berichtete.
(vic)