Das Kompetenzzentrum Sprachen hält noch bis morgen, Mittwoch, den 20. Juni, einen Workshop in Language Documentation ab. Thema dieses dritten Workshops ist die geografische Kartierung von linguistischen Daten – das so genannte Language Mapping. In einer öffentlichen Vorlesung gestern präsentierte Naomi Palosaari von der Eastern Michigan University (USA) ihre Feldstudien über die Minderheitssprache Mocho in Mexiko.
Mocho ist eine fast ausgestorbene Sprache, die noch vereinzelt in Chiapas im Südosten von Mexiko, nahe der Grenze zu Guatemala, gesprochen wird: „Heute benutzen nur noch etwa 30 Menschen Macho in ihrem Alltag, und diese 30 Menschen sind alle über 70“, erzählte Naomi Palosaari gestern Abend in ihrem Vortrag. Macho wird vermehrt von Spanisch vertrieben, da Spanisch die offizielle Sprache auch für den Kontakt mit Behörden ist. Jahrelang wurden die Ureinwohner verfolgt, heute werden sie von der mexikanischen Regierung geschützt. „Die mexikanische Regierung erkennt allein 77 Sprachen in ihrem Land an, aber Macho gehört definitiv zu den kleinsten und bedrohtesten Maya-Sprachen.“ Palosaari zeigte gestern, wie sie bei ihren Feldstudien vorgeht und wie sich, bezogen auf das Language Mapping, die grammatikalischen Richtungs-Partikel (wie ‚hier‘, ‚dort‘, etc.) in Macho von jenen im Spanischen unterscheiden und welche Unterschiede die Macho-Sprecher zwischen ‚dort‘, ‚weiter drüben‘, ‚ganz weit weg‘ machen, d.h. welche Partikel sie für welche Entfernungen benutzen.
Der Workshop wird koordiniert von Prof. Silvia Dal Negro, Professorin an der Fakultät für Bildungswissenschaften und Forscherin am
Kompetenzzentrum Sprachen. Ziel ist es, Sprachen, in diesem Fall indigene und vom Aussterben bedrohte, und die damit verbundenen Kulturen zu dokumentieren. Die diesjährige dritte Ausgabe wird in Zusammenarbeit mit dem Bozner Verein Ethnorêma veranstaltet.
Im Foto v.l.n.r.: Prof. Naomi Palosaari (Eastern Michigan University, USA) und Prof. Silvia Dal Negro (Kompetenzzentrum Sprachen & Fakultät für Bildungswissenschaften).