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#unibzcareers: Hands-on-Mentalität wird belohnt

Einen Sparringspartner wünschte sich Kommunikationswissenschaftlerin Laura Hitthaler und wechselte zu einer großen Marketingagentur nach München. Ein Gespräch mit ihr.

Dass ein Studium sehr wohl von Vorteil ist, betont die 28-jährige Brixnerin Laura Hitthaler, die nach ihrer Matura am Kunstlyzeum Bruneck zuerst als Reiseverkehrskauffrau gearbeitet hat, bevor sie sich zu ihrem Studium der Kommunikations- und Kulturwissenschaften entschlossen hat: „Die Idee des Tellerwäschers, der es zum Millionär bringt oder es ohne weiterführende Ausbildung beruflich weit schafft, ist heutzutage wirklich die Ausnahme. Meine Vorstellung war, dass mir durch ein Studium mehr Möglichkeiten offenstehen, vergleichbar mit einem Webbrowser, der schier unendlich viele Tabs öffnen kann.“ Sie hegte den Traum eines Journalismusstudiums mit anschließendem Job als Auslandskorrespondentin und befand, dass der Studiengang Kommunikations- und Kulturwissenschaften der unibz perfekt ihren Vorstellungen entsprach.

Während ihres Studiums absolvierte Laura Hitthaler Praktika in der Mode-PR oder in der Unternehmenskommunikation des Nutzfahrzeugherstellers MAN Truck & Bus, da es ihr wichtig war, sich in unterschiedlichen Berufsfeldern auszuprobieren und herauszufinden, wo ihre Interessen und Stärken liegen. „Ein Studium der Kommunikations- und Kulturwissenschaften ist meist sehr generalistisch aufgebaut und gibt einem die Basis für den Einstieg in die Arbeitswelt. Dabei merkt man ziemlich schnell, dass trotz der Unterschiedlichkeit über alle Arbeitsrealitäten hinweg, ähnliche Soft Skills gefragt sind. Egal ob es am Ende auch einmal ein Bereich war, der mich weniger interessiert hat oder die Aufgaben unbequem waren: Einsatz/Hands-on-Mentalität, Interesse und Teamfähigkeit werden meiner Erfahrung nach immer belohnt. Dadurch habe ich mir schon während meines Studiums ein Netzwerk in der Arbeitswelt aufbauen und viele Kontakte knüpfen können“, resümiert sie.

Sie selbst war nach ihrem Studium bei einem international agierenden Südtiroler Handwerksbetrieb als One-Woman-Show für die Themen Marketing und Kommunikation verantwortlich. Trotz ihres anspruchsvollen Aufgabenbereichs fehlte ihr, so frisch aus der Uni, ein Sparringspartner. „Das Digital Advertising wächst seit Jahren und bereits seit dem Grundschulalter hat mir das Organisieren und Planen unglaublich viel Spaß gemacht. Der Praktika- und Job-Service hat es gemeinsam mit Professorin Federica Viganò gegen Ende meines Studiums einigen Student*innen unseres Studiengangs ermöglicht, einen NBI-Test (Neethling Brain Instruments) mit Workshop und anschließenden Beratungsgesprächen zu absolvieren. Das hat mein Bewusstsein bezüglich meiner Fähigkeiten, Stärken und bevorzugter Denkmuster nochmals geschärft. So habe ich bei einer Münchner Werbeagentur als Online Projekt Managerin angeheuert und bin bald darauf in der REDBLUE, der Werbegesellschaft des MediaMarkt-Saturn-Konzerns gelandet.“

Zu ihrem täglichen Aufgabenbereich zählen nun unterschiedlichste digitale Werbemaßnahmen im E-Commerce-Bereich und das Arbeiten mit cross-funktionalen Teams, bestehend aus Kreativen, Konzeptionern, Redakteuren, Webdesignern und Enwicklern. „In der Online-Welt ändern sich Dinge rasant, darum ist für mich kein Tag wie der andere. Man muss es durchaus mögen, sich an ständig wechselnde Gegebenheiten anzupassen und Neues zu schnell zu lernen. Ich fühle mich momentan auf jeden Fall sehr wohl“, blickt Laura auf ihren Arbeitsalltag. Dabei habe das Studium sie dazu befähigt, neue Themen einordnen und bewerten zu können. „Ich habe auf jeden Fall gelernt, mich an fremde, neue Dinge heranzuwagen, lösungsorientiert zu denken und eigenständig komplexe Sachverhalte aufzuarbeiten, sobald ich mit solchen konfrontiert werden“, gibt sie sich selbstbewusst. Das Studium an der unibz war natürlich sehr generalistisch aufgebaut, doch einzelne Fächer sind ihr lebhaft in Erinnerung: „Den Studienbaustein zum Thema Entrepreneurship empfinde ich im Nachhinein als einen der wertvollsten, da er einen selbst dazu anregt, unternehmerisch zu denken - auch ohne ein eigenes Startup zu gründen. Für viele Organisationen ist dieses Verantwortungsbewusstsein ein wichtiges Kriterium bei der Auswahl ihrer Mitarbeiter. Durch die Größe der Uni und der überschaubaren Anzahl an Studienplätzen im Programm, ist das Verhältnis Studentin zu Dozenten und administrativen Abteilungen sehr persönlich, was einem selbst einen riesigen Blumenstrauß an Möglichkeiten bietet. Ich hatte das Glück während meines Studiums auf einige unglaublich engagierte Professorinnen zu treffen, die für mich zu wahren weiblichen Role Models wurden.“

Ihren Arbeitsalltag in München empfindet sie dabei sehr spannend, ebenso wie das Leben in der „Weltstadt mit Herz“: „Die Werbe- und Kommunikationsbranche ist u.a. aufgrund der Vielzahl an ansässigen Konzernen sehr groß. Ich empfinde München als eine kosmopolitische Stadt mit sehr viel Lebensqualität, vielen unterschiedlichen Freizeitangeboten und einer internationalen Anbindung mit dem Flughafen. Die Stadt ist für eine Großstadt trotzdem noch überschaubar und hat einen ganz eigenen Charme. Und wenn man wirklich einmal aus der Stadt raus möchte, gibt es im Münchner Umland viele lohnende Ausflugsziele, wie die bayerischen Voralpen, große und kleinere Seen. Für mich ist es wunderbar zu wissen, dass ich mir beruflich, wie auch in der Freizeit, verschiedene Möglichkeiten offenstehen, aus denen ich wählen kann. Falls mich das Heimweh wirklich packt, sind es auch nur knappe 3 Autostunden nach Südtirol.“

Auch in München änderte der Lockdown den Arbeitsalltag. Da in Lauras Team auch schon vor den Ausgangsbeschränkungen die Möglichkeit bestand, das Homeoffice zu nutzen und mobile Arbeitsplätze zur Verfügung standen, klappte die Umstellung auf Anhieb. Hinzu kam, dass sich durch die Ausgangsbeschränkungen und die teilweise Schließung des stationären Handels das gesamte Business plötzlich komplett auf den Online-Handel fokussierte, weswegen sich der Druck auf die digitalen Werbemaßnahmen erhöhte. „Unser Arbeitspensum ist von einem Tag auf den anderen immens gestiegen“, resümiert Laura. „Besonders bei kreativen Prozessen, Workshops und Brainstormings fehlt die zwischenmenschliche Komponente derzeit schon. Bei Themen, wo eine Face-to-Face-Kommunikation wichtig wäre, kann auch eine Videokonferenz einfach nicht mithalten. Mittlerweile haben sich aber vielfach bereits alternative Prozesse etabliert und das normale Tagesgeschäft läuft wieder reibungslos.“ 

Wenn man Laura wie jede Südtirolerin im Ausland dazu befragt, ob sie es sich vorstellen kann, irgendwann wieder nach Südtirol zurückzukehren, muss sie ob der oft gestellten Frage schmunzeln: „Natürlich kann ich es mir vorstellen, dass ich irgendwann wieder in meine Heimat zurückkehren werde. Die beruflichen Möglichkeiten in Südtirol sind bestimmt im Durchschnitt sehr gut, jedoch abhängig vom jeweiligen Berufsbild. Im Marketing- und Kommunikationsfeld sehe ich für mich in Südtirol derzeit nur wenige Organisationen und Unternehmen, bei denen ich aus rein fachlicher Sicht Interesse hätte und die außerdem noch eine spannende Unternehmenskultur leben. Aber ich vermisse das Essen, die Südtiroler Lebenskultur und die unvergleichliche Landschaft schon sehr. Daher weiß man nie - Veränderungen passieren im Leben oft schneller als gedacht!“
(vic)