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Freie Universität Bozen

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Exzellenz in molekularer Pflanzenwissenschaft

Der 32-jährige Simon Unterholzner erhält für sein Projekt der molekularen Grundlagenforschung eine Förderung der Landesregierung aus dem Fonds für Excellenz-Projekte. Ein Gespräch.

Südtirol investiert in ausgezeichnete Forschungsprojekte. Das Landesamt für Innovation, Forschung und Universität hat die Finanzierung von drei Seal of Excellence – Projekten bis 2022 genehmigt. Durch das Programm Seal of Excellence kann das Land Projekte finanzieren, die die Europäische Kommission aus Budget-Gründen nicht unterstützen konnte (innerhalb des Individual Fellowhip der MSCA Actions von Marie Sklodawska Curie). Simon Unterholzner von der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik ist einer von drei Forschern, die von der Landesregierung aufgrund ihrer strategisch wichtigen Projekte gefördert werden, er selbst mit 141.000 Euro.

Für Landeshauptmann Arno Kompatscher ist diese Finanzierung wichtig, „um die Ausbildung und die Karriere von Wissenschaftlern durch internationale, interdisziplinäre und sektorübergreifende Mobilität zu unterstützen." Dadurch werde die Rolle Südtirols als Forschungszentrum auf internationalem Niveau gestärkt.

Herr Unterholzner, könnten Sie Ihr Forschungsprojekt kurz umreißen?
Simon Unterholzner: Das aktuelle Forschungsprojekt untersucht die molekularen Grundlagen, wie Pflanzen mit ihrer Umwelt interagieren. Wir erforschen im Detail, wie eine Familie von Transkriptionsfaktoren auf Umweltsignale reagiert, beispielsweise auf das Vorhandensein oder Fehlen des essenziellen Pflanzennährstoffes Phosphors, und wie eine solche veränderte Aktivität das Wachstum und die Architektur der Wurzel umgestalten kann.

Welche Vorteile werden Landwirte in Südtirol aus Ihren Forschungsergebnissen ziehen?
Das Projekt ist sehr Grundlagenorientiert, somit ist es zunächst notwendig, die genetischen Komponenten zu entschlüsseln. Dieses Ziel möchten wir in den kommenden zwei Jahren erreichen. Die genetischen Komponenten können dann von großem Interesse für die Züchtung sein, da eine effizientere Umweltanpassung der Wurzeln für die zukünftige Landwirtschaft viele Vorteile mit sich bringt, z. B. eine bessere Nährstoffaufnahme, eine effizientere Wasseraufnahme, Trockenstresstoleranz usw. Wichtig ist, dass im Zuge von Folge-Projekten und durch Kooperationen versucht wird, dieses Grundlagenwissen auf die wichtigsten Nutzpflanzen zu übertragen.

Wie sah Ihr persönlicher beruflicher Werdegang bisher aus?
Die Anpassungsfähigkeit von Pflanzen hat mich schon seit meinen Bachelorstudiengang an der unibz beeindruckt. Durch das Masterstudium an der TU München erhielt ich dann einen ersten Einblick in die Pflanzen-Biotechnologie. Dies führte dazu, dass ich einen PhD an der TU München im Fachgebiet Biotechnology of Horicultural Crops bei Prof. Brigitte Poppenberger absolvierte, wo wir unter anderem an Themen wie die Bildung von Pflanzenhormonen und die Mechanismen der Frosttoleranz forschten. Nach dem PhD ermöglichte mir ein DAAD-PostDoc-Stipendium (DAAD ist der Deutsche Akademische Austauschdienst, Anmerk. d. Red.) meine Forschungstätigkeit an der Universität La Sapienza in Rom weiterzuführen und dort, zusammen mit der renommierten Pflanzengenetikerin Prof. Sabrina Sabatini, ein Forschungsprojekt zu starten. 

Worauf legten Sie in dieser Zeit den Fokus?
Ich habe viele moderne Methoden der Entwicklungsgenetik und Zellbiologie in Pflanzen erlernt, welche für meine jetzige Forschung grundlegend sind. Im Jahr 2019 führte mich mein Weg wieder nach Südtirol zurück wo ich, dank der Förderung der Provinz Bozen, an der unibz mit der Gruppe von Prof. Stefano Cesco und Prof. Tanja Mimmo ein Incoming-Projekt starten konnte bei dem klassische Entwicklungsgenetik mit Pflanzenphysiologie kombiniert wird, um neue agrar-relevante Anpassungsmechanismen von Pflanzen zu entschlüsseln.

Wohin soll Ihre berufliche Laufbahn Sie noch führen?
Ich habe mich an der unibz sehr gut eingearbeitet und fühle mich in Südtirol sehr wohl. Im Bereich der molekularen Pflanzenwissenschaften gibt es noch sehr viel zu erforschen. Man könnte fast sagen, dass wir erst am Anfang sind, zu verstehen, wie Umwelteinflüsse sich auf molekularer und zellulärer Ebene bei Pflanzen auswirken. Daher ist es umso spannender in diesen noch jungen Forschungsfeld mit dabei zu sein, neue Projekte zu schreiben und mit internationalen Forschungspartnern zusammenzuarbeiten. Die nächste spannende Herausforderung wäre es auch, ein eigenes Forschungsteam im Bereich der molekularen Pflanzenwissenschaften aufzubauen, um noch viele weitere Forschungsideen verfolgen zu können.

Foto: Laimburg

(vic)