Skip to content

Free University of Bozen-Bolzano

UniNews

Kunstschnee und Biodiversität: Visual-Journalism-Projekt von drei Fakultäten der unibz

Wie können wissenschaftliche Ergebnisse für ein breiteres Publikum aufgearbeitet werden?  Eine anschauliche  Antwort von drei Fakultäten der unibz zum kontroversen Thema Kunstschnee.

Neugier schaffen, komplexe Zusammenhänge oder Daten übersichtlich darstellen, Geschichten anhand von Bildern erzählen: All das kann Visual Journalism, also die visuelle Aufarbeitung von Fakten und Geschichten. Matteo Moretti, bereits mehrfach ausgezeichneter Experte in diesem Bereich, hat mit seinen Studierenden an der Fakultät für Design und Künste ein Visual-Journalismus-Projekt angestoßen, das gleich drei Fakultäten der Universität involvierte. „Do you know what this object is“, startet die Arbeit vor dem Hintergrundbild einer der unzähligen Schneekanonenschächte in Südtirols Skigebieten. Ein bildhafter Einstieg zur Vermittlung der Ergebnisse eines Forschungsprojektes der Fakultät für Naturwissenschaften und Technik über die Auswirkungen von Kunstschnee auf die subalpine Rasenvegetation. Die 2019 im internationalen Journal Science of the Total Environment veröffentlichte Arbeit von Forscherin Sara Casagrande in Zusammenarbeit mit Prof.in Camilla Wellstein und Prof. Stefan Zerbe ist nicht nur in dieser Jahreszeit aktuell. Denn sie berührt ein Thema, das vor dem Hintergrund des Klimawandels immer brennender für Südtirols Tourismusindustrie und alle davon abhängigen Wirtschaftsakteure wird. 

Aus diesem Grund wurden auch Studierende der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften miteinbezogen, um die Ergebnisse der Naturwissenschaftlerinnen aus ihrem Blickwinkel zu betrachten und neu aufzubereiten. Dadurch wurde die Arbeit auch durch einige beeindruckende Zahlen zur steigenden Produktion von Kunstschnee ergänzt – die wiederum von Designstudierenden grafisch auf den Punkt gebracht wurden. Einige Beispiele: Fast 4000 Schneekanonen wurden in den zwei Jahrzehnten zwischen 1995 und 2017 auf Südtirols Skipisten installiert – ihre rasant wachsende Zahl steht in direktem Zusammenhang mit den steil wachsenden Nächtigungszahlen. 95.000 Euro kostet das Beschneien einer 1 Kilometer langen und 40 Meter breiten Skipiste im Durchschnitt – bei einem Wasserverbrauch von 95.000 Kubikmetern. Doch auch der Stromkonsum für das künstliche Weiß ist beachtlich: Rund 250.000 Kilowattstunden werden für die Beschneiung einer Fläche von 20 Hektar im Jahr verbraucht. 

Wie sehr die Böden und die Vegetation auf diesen Eingriff reagieren, erklärt dann in der multimedialen Arbeit Forscherin Sara Casagrande selbst. Sie unterstreicht dabei, welche Bedeutung Schnee für die Entwicklung von Pflanzen, die Kontrolle der Bodentemperatur und Feuchtigkeit hat und wie sehr sich natürlicher Schnee und Kunstschnee in ihren chemischen und physikalischen Eigenschaften unterscheiden. „Wenn sich die Eigenschaften des Schnees verändern, hat dies auch Auswirkungen auf die Charakteristika von Pflanzen“, sagt die Forscherin. Eindrucksvoll zeige sich dies auch im direktem Vergleich von großen mit kleinen Skigebieten, wo die Vegetation aufgrund der kürzeren Öffnungs- und damit Beschneiungszeiten weniger stark beeinträchtigt ist. Casagrandes Lösungsvorschlag für eine nachhaltigere Bewirtschaftung orientiert sich dann auch in diese Richtung: “So wie diese kleinen Skigebiete könnten auch die größeren Skiresorts die Saison nach hinten verschieben: Das heißt, es muss nicht notwendigerweise schon in den Weihnachtsferien Skigefahren werden.“ 

Aussagen, die zweifelsohne das Zeug haben, für Diskussionen zu sorgen. Und genau diese will Lehrbeauftragter Matteo Moretti auch anregen. “Wir hoffen, dass dieses gemeinsame Produkt von drei Fakultäten und von Studierenden mit Forscherinnen und Forschern dazu beiträgt, diesen delikaten Themenbereich aus wirtschaftlicher und ökologischer Perspektive öffentlich zu debattieren.“ 

 (su)