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Free University of Bozen-Bolzano

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#farawaysoclose: Unter Finnlands Mitternachtssonne

Am 2. Jänner in Vaasa eingetrudelt, hatte Wirtschaftsstudent Alan Bortolotti das Glück, die finnische Uni-Realität noch vor dem Shutdown zu erleben, der weniger rigide als in Italien ist.

Während hier in Südtirol schon vorsommerliche Temperaturen herrschen, führt Alan Bortolotti unser Gespräch am Bildschirm im winterlichen Pullover: „Auch wenn in Finnland die Sonne erst kurz nach Mitternacht untergeht, herrschen hier immer noch frische 10 bis 14 Grad“, erzählt der Student des Bachelors Wirtschaft und Management lachend von seiner Erasmus-Erfahrung. 

Er selbst lebt seit Anfang des Jahres in Vaasa und hatte eben das Glück, das Universitätsleben noch anderthalb Monate leben zu können, bevor auch in Finnland der große Shutdown begann. „Allerdings ist es hier schon nie so kritisch gewesen wie in Italien, weswegen zwar Restaurants, Veranstaltungsorte und Schulen wie Universitäten schließen mussten, doch eine Zwangspause wie zuhause gab es nicht, wir durften spazieren gehen und uns stets frei bewegen. Einzig in der Hauptstadt Helsinki waren die Maßnahmen mit jenen in Italien vergleichbar.“ Kein Wunder beim Blick auf die Zahlen: zum 21. Mai haben sich 6.537 Finnen infiziert, 306 sind verstorben. „Das Virus hat unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt, nicht aber die Freude, Menschen kennenzulernen.“

Sein Zuhause ist derzeit ein Studentenheim, und dort gelingt es, den geforderten Sicherheitsmaßnahmen nachzukommen: In Finnland dürfen sich nicht mehr als 10 Menschen zusammenfinden, und so sind unsere studentischen Abendessen eben darauf ausgerichtet – gemeinsame internationale Zusammenkünfte, bei denen jeder mit seinen nationalen Spezialitäten auftrumpft: „Das Virus hat unsere Bewegungsfreiheit eingeschränkt, nicht aber die Freude, Menschen kennenzulernen.“

Universitär gesehen geht Alan mit großen Schritten in Richtung Abschluss: „Ich habe nunmehr alle Prüfungen meines Bachelorstudiums in Wirtschaft und Management abgelegt und kläre gerade mit Prof. Alex Weissensteiner das genaue Thema meiner Abschlussarbeit ab; es wird aber sicher um den finanztechnischen Impact von Covid gehen.“ In Vaasa selbst war er bis zum 16. März an der Uni, danach kam der Shutdown und seitdem wird im Online-Unterricht via Zoom gelernt. Das Semester selbst endet in Finnland mit Ende Mai, die Universitätsbibliothek in Vaasa öffnet wieder Anfang Juni für nur 30 Personen - ein Zeitpunkt, an dem Alan bereits wieder zurück in Italien sein sollte, aber das Buchen eines Rückflugs hat sich zu einem Spießrutenlauf entwickelt, für ihn wie für viele andere Erasmusstudenten. „Ich wollte eigentlich schon Mitte Mai zurück nach Italien fliegen, aber von Air France bis Lufthansa wurden laufend Flüge gestrichen. Nun hoffe ich, dass mein gebuchter Flug am 11. Juni mich sicher zurück nach Malpensa bringt.“
Zu einem gelungenen Erasmussemester gehören normalerweise auch die Reisen durch das Land. „Ja eine Reise nach Lappland war bereits von der Universität für uns Erasmusstudenten Ende März organisiert worden, das musste leider ausfallen. Aber wir haben uns im Gebiet rund um Vaasa gut bewegen können und haben uns dort in ein Cottage eingemietet, um die Region etwas besser kennenzulernen. Da es ab 1. Juni wesentlich einfacher wird, innerhalb Finnland zu reisen, möchte ich noch die Stadt Tampere vor meiner Abreise besuchen.“

Was aber zu einer Erasmuserfahrung gehört sind die Freundschaften, die man schließt, und dies ist dank der ersten offenen Wochen bei Besuchen von Cafés und Partys rundum geglückt: „Ich habe Freunde aus Griechenland, Spanien, Deutschland, Japan, Frankreich, der Türkei und Mexiko, unsere gemeinsame Sprache ist Englisch, wie auch die Vorlesungssprache an der Uni, und nun bekochen wir uns eben mit landestypischen Speisen statt auf Partys zu gehen“, erzählt der 21-Jährige.

Und nicht zuletzt kann Covid der spektakulären Mittsommernacht nichts anhaben: „Die Sonne geht erst lange nach Mitternacht unter, es ist ein wahres Spektakel, dieses viele Licht. Schlafen kann ich glücklicherweise gut, nur ab und an wache ich auf, denn selbst die geschlossenen Jalousien vermögen es nicht, die Sonne gänzlich nach außen zu verbannen.“ In Sachen Landesspeisen wurde der aus Castello-Molina di Fiemme stammende Trentiner etwas enttäuscht: „Ich hatte natürlich mit sehr viel Fisch gerechnet, wohnen wir hier doch am Meer, doch ein typisches Gericht, das jeden Donnerstag in der Mensa serviert wird, sind Erbsensuppe mit Schweinefleisch („Hernekeitto“). Generell ist das Essen in Italien doch etwas vielfältiger.“

Zurück in Italien will Alan Bortolotti sich auf sein Sommerpraktikum bei einer Versicherung und dem Verfassen seine Abschlussarbeit konzentrieren, dann möchte er im Herbst einen Master in Finanzwirtschaft beginnen. „Auf jeden Fall bin ich begeistert von meinem Studium in Bozen, nicht zuletzt wegen der Dreisprachigkeit. Diese hat mich angespornt, Höchstleistungen zu erbringen, denn die Vorlesungen sind durch den Sprach- und Kulturwechsel einfach interessanter und haben mich auch persönlich weitergebracht. Für Bozen hatte ich mich auch wegen der guten Organisation und der Struktur der Kurse entschieden, und ich habe es nie bereut.“ 

(Alan findet sich im Foto in der hinteren Reihe in der Bildmitte)
(vic)