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Free University of Bozen-Bolzano

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#farawaysoclose: Inmitten des Sandsturms in Dubai

Wir erreichen Philip Santa bei Außentemperaturen von 40 Grad, es ist gefühlt Hochsommer in den Vereinigten Emiraten und damit ein Lockdown noch schwerer zu ertragen als in Europa.

Zudem können Terrassen ecc. kaum genutzt werden, tobt doch derzeit ein Sandsturm über Dubai. „Der anfängliche 24-stündige Lockdown wurde Mitte Mai in eine Ausgangssperre von 20 Uhr abends bis 6 Uhr früh abgewandelt, und in Supermärkten ist Fiebermessen vor dem Eintreten nunmehr Pflicht. Hinzu kommt ein nationales Desinfektionsprogramm, Restaurants und Büros müssen social distancing guidelines einhalten“, erzählt der 29-jährige Absolvent der Fakultät für Design und Künste. „Derzeit dürfen nur 30% der Angestellten ins Büro, „transparente Barrieren" müssen zwischen Angestellten und Kunden an Schaltern, in Taxis ecc. errichtet werden und für Einreisende gilt eine vierzehntägige Quarantäne.“

Zu den Risikogruppen zählt man in den Vereinigten Arabischen Emiraten, anders als bei uns, auch Kinder im Alter von 3–12 Jahren. Sie und Menschen über 60 dürfen die Einkaufszentren derzeit nicht betreten. Auch dürfen nur bis zu 5 Personen in einem privaten Rahmen zusammenkommen, Verwandte ersten oder zweiten Grades. Was für den sportbegeisterten Philip hingegen besonders wichtig ist, ist der Umstand, dass Sport im Freien wieder erlaubt ist, wenngleich nur in Gruppen von bis zu 3 Leuten.

Generell gesehen hat das Land, das 9,2 Mio Einwohner zählt, die Pandemie weit besser überstanden als beispielsweise Italien, verzeichnen die Emirate doch (Stand 22. Mai) „nur“ 241 Tote. Nichtdestotrotz waren und sind die Sicherheitsvorkehrungen hoch, auch Philip arbeitete wochenlang im Homeoffice. Für ihn hat sich nach seinem Designstudium in Bozen, einem Jahr als Grafiker in der Pressestelle der Universität auch seine jetzige Arbeit über „seine“ Universität ergeben: er zeichnet als Head of Design verantwortlich in der Firma eines anderen Absolventen der unibz, des Wirtschaftsabsolventen Florian Gallini. Die Firma Interel ist spezialisiert auf technologische Lösungen für die Hotellerie, zu deren Kunden bekannte Hotelketten wie Marriott oder die Hilton-Gruppe zählen. Philip leitet dort die 3-köpfige Designabteilung.

Die Pandemie hat auch in Dubai ihre Auswirkungen gezeigt - Projekte wurden verzögert, manche ganz gestoppt und auch die Zahlungsmoral der Kunden ließ nach. „Das hat zu Kurzarbeit geführt, ich selbst arbeite im Moment nur vier Tage die Woche, was ich gar nicht gewohnt bin, da wir sonst extrem viel zu tun haben“, fasst Philip die derzeitige Lage zusammen. In ganz Dubai macht sich die Krise bemerkbar, Gehaltskürzungen sind an der Tagesordnung und viele Mitarbeiter wurden entlassen, darunter auch die Ehefrau des gebürtigen Eggentalers, die dann nach der Krise wiedereingestellt wurde, allerdings nicht mehr in Festanstellung. 

Familiär gesehen hat das dazu geführt, dass Philip und seine Frau mehr Zeit mit den aus Russland stammenden Schwiegereltern verbringen in der Hoffnung, bald wieder einmal ins heimische Südtirol reisen zu können. Überhaupt ist das Reisen etwas, das er sehr vermisst, „denn Dubai war und ist für mich der ideale Standort für Reisen in alle Welt, ist doch unser Flughafen Dreh- und Angelpunkt des Mittleren Ostens.“ Ob Reisen nach Hongkong oder Indien, vieles lässt sich reisetechnisch leicht organisieren. Und wenn er Heimweh hat, trifft er sich mit anderen „Südsternen“ schon einmal zur Marende in der Wüstenstadt. Er persönlich zieht ein ganz konkretes Fazit aus der Krisensituation: „Ich finde die neu gewonnene Zeit eher befreiend, fühle ich mich doch weniger gestresst und viel entspannter als zuvor. Für die Zukunft nehme ich aber die Einsicht mit, dass man nie jung genug sein kann, um sich langfristig um seine Gesundheit und finanzielle Sicherheit zu kümmern!“

Im Bild Philip und seine Ehefrau Yulia.
(vic)