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Libera Università di Bolzano

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Elsass-Lothringen und der Pariser Frieden 1919. Ein Referat von Volker Prott

Welche Auswirkungen hatte die Rückkehr Elsass-Lothringens zu Frankreich auf Bevölkerung und Politik im ehemaligen deutschen Reichsland in Folge des Versailler Vertrages? Am 13.12.2019.

Die schwierige und teilweise auch gewaltsame Rückkehr der so genannten „verlorenen Provinzen“ zu Frankreich gewährt aufschlussreiche Einblicke in die Spannungen und Widersprüche, die durch das Selbstbestimmungsrecht am Ende des Ersten Weltkriegs in umstrittenen Grenzgebieten entstanden. Sie destabilisierten die internationale Ordnung der Zwischenkriegszeit in entscheidender Weise. Der Vortrag von Volker Prott mit dem Titel „Minderheiten, Selbstbestimmung und elegante Luftsprünge. Elsass-Lothringen und der Pariser Frieden“ ist Teil der Reihe „Der Pariser Frieden 1919. Territoriale Neuordnung und Minderheitenprobleme“, die vom Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte der Freien Universität Bozen zum hundertsten Jahrestag der Teilung Tirols organsiert wird. 

Der Historiker zeichnet die Rückkehr Elsass-Lothringens als widerspruchsvollen Prozess nach, der mit dem öffentlich postulierten französischen Kriegsziel begann, die deutsche Annexion von 1871 schlicht zu annullieren. Der Vortrag beleuchtet vor allem die langwierigen und schließlich ergebnislosen Bemühungen auf französischer Seite, eine stimmige Doktrin zu entwickeln, die Kriegsziel und Selbstbestimmungsrecht in Einklang bringen würde. Er beschäftigt sich zudem mit den deutschen Versuchen, im Reichsland eine Politik zu entwickeln, die eine Kehrtwende von Teilungsplänen und „Neutralisierung“ einleiten und die deutsche Herrschaft in der Region demokratisch legitimieren hätte können. Nach Kriegsende bewirkte die wachsende Kluft zwischen dem Anspruch nationaler Eindeutigkeit und der komplexen Wirklichkeit des Grenzlandes eine französische Politik der vollendeten Tatsachen, die auf die Ausweisung eines großen Teils der deutschstämmigen Bevölkerung hinauslief. 

Der Fall Elsass-Lothringen wird im Vortrag von Volker Prott auch im Licht der Zwischenkriegszeit beleuchtet. Einer historischen Epoche, die durch eine moralisch anspruchsvolle und zugleich handlungsschwache internationale Ordnung gekennzeichnet war – eine Ordnung, die fortwährend vom „Gespenst“ des Selbstbestimmungsrechts heimgesucht wurde.

Zur Person
Volker Prott ist Historiker und hat am Europäischen Hochschulinstitut (EUI) in Florenz Geschichte studiert und dort im Jahr 2013 promoviert. Anschließend war er an der Universität Tübingen (2013–2015) und als Lecturer of Modern European History an der University of Melbourne (2015–2017) in Australien tätig. Seit 2018 ist er als Lecturer in Modern History an der Aston University in Birmingham beschäftigt. Er hat sich in intensiver Weise mit der Frage der Selbstbestimmung auf der Pariser Friedenskonferenz sowie dem Fallbeispiel Elsass-Lothringen auseinandergesetzt. Derzeit arbeitet er zu Fragen der Außenpolitik im Kalten Krieg.

Der Vortrag von Volker zum Thema „Minderheiten, Selbstbestimmung und elegante Luftsprünge. Elsass-Lothringen und der Pariser Frieden“ und findet am 13. Dezember 2019 ab 17.30 Uhr im Hörsaal E2.22 am Campus Bozen der Freien Universität Bozen, Universitätsplatz 1, statt.

(su)