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Freie Universität Bozen

Förderung der Lesekompetenz im Sach-/Fachunterricht (Lab)

Semester 1 · 83006 · Universitärer Lehrgang für die Grundausbildung der Lehrpersonen für die Mittel- und Oberschule in deutscher Sprache - 60KP · 1KP · DE


Die Beherrschung bildungssprachlicher Kompetenzen gilt in der modernen Bildungsforschung als fundamentales Nadelöhr für den schulischen Erfolg und die gesellschaftliche Teilhabe. Während der basale Schriftspracherwerb in der Primarstufe weitgehend abgeschlossen sein sollte, stehen Schülerinnen und Schüler in der Mittel- und Oberstufe vor qualitativ neuartigen Herausforderungen. Sach- und Fachtexte weisen eine hohe Informationsdichte, komplexe syntaktische Strukturen (z. B. Nominalstil, Passivkonstruktionen, komplexe Attribute) sowie ein spezifisches Fachvokabular auf, das sich signifikant von der alltäglichen Kommunikationssprache unterscheidet.

Lesekompetenz darf im Fachunterricht daher nicht als statische, bereits im Deutschunterricht vollständig erworbene Fertigkeit vorausgesetzt werden. Vielmehr ist sie als dynamischer, domänenspezifischer Prozess zu verstehen, der im jeweiligen Fachkontext explizit angeleitet und trainiert werden muss. Ein mechanistisches Verständnis von Lesen als bloße „Sinnentnahme“ – die sogenannte Container-Metapher, die den Text als passiven Behälter für fertige Bedeutungen betrachtet – greift hierbei zu kurz. Erfolgreiches Lesen ist stattdessen eine aktive kognitive Bedeutungskonstruktion auf Basis des Zusammenspiels von Textmerkmalen, sprachlichem Vorwissen und inhaltlichen Schemata des Lesers / der Leserin.

Lehrende: Ildikò Erika Stephanie Risse

Vorlesungsstunden: 0
Laboratoriumsstunden: 8 Gruppe 1, 2, 3 und 4: Prof. Dr.in Risse Stephanie
Anwesenheitpflicht: Laut Studiengangsregelung

Themen der Lehrveranstaltung
• Bildungssprache vs. mündliche geprägte Alltagssprache • Didaktik des sprachsensiblen Fachunterrichts und des Scaffolding • Modellierung von Lesearten und Lesestrategien • Intervention bei Leseschwierigkeiten in der Sekundarstufe • Digitales Lesen und Medienkompetenz

Unterrichtsform
Gruppenarbeit, Werkstattgespräch

Bildungsziele
Wissen und Verstehen Die Studierenden verstehen, dass die intrinsische Motivation vor allem bei literarischen Texten wirksam ist, während die Lesemotivation im Fachunterricht maßgeblich durch die themenbasierte beziehungsweise extrinsische Motivationsstruktur (Nützlichkeit, Wichtigkeit, Erfolgserwartung) getragen wird. verfügen über vertiefte Kenntnisse bezüglich der linguistischen Stolpersteine der deutschen Bildungssprache (z. B. komplexe Satzgefüge mit Nebensatzstrukturen, nominale Verdichtungen, unpersönliche Konstruktionen) und kennen deren selektierende Wirkung im Bildungssystem, insbesondere in heterogenen Gruppen kennen das Konzept des Scaffolding nach Gibbons verstehen den kognitiven Unterschied zwischen der Verarbeitung analoger Printmedien und digitaler, multimodaler Hypertexte. Anwenden von Wissen und Verstehen Die Studierenden können eigenständig Sachtexte, Darstellungen und Aufgabenstellungen auf sprachliche und kognitive Hürden hin prüfen und diese kriteriengeleitet modifizieren. entwerfen didaktische Leseaufgaben und -aktivitäten, die dem dreistufigen PISA-Lesekompetenzmodell entsprechen, und setzen diese in konkrete unterrichtliche Handlungsaufforderungen um: Lesephase 1 (Lokalisieren & Markieren); Lesephase 2 (Verstehen & Kollaborieren); Lesephase 3 (Kritisch Reflektieren). Kommunikation Die Studierenden sind in der Lage, Schülerinnen und Schülern ein klares, prozessorientiertes und ermutigendes Feedback über deren Lesekompetenzen zu geben, um deren lesebezogenes Selbstkonzept positiv zu beeinflussen. fungieren im eigenen Fachunterricht bewusst als sprachliches Vorbild. Lernstrategien Die Studierenden entwickeln einen professionellen, forschenden und selbstreflexiven Habitus bezüglich ihres eigenen Fachunterrichts und hinterfragen kontinuierlich ihre Alltagstheorien über das Leseverhalten Jugendlicher. sind in der Lage, eigene Verständnisbarrieren beim Lesen komplexer wissenschaftlicher Texte zu identifizieren und metakognitive Strategien zur eigenen Informationsverarbeitung anzuwenden. können ihren eigenen Professionalisierungsprozess im Bereich der Leseförderung selbstgesteuert planen und strukturieren, indem sie aktuelle bildungspolitische Entwicklungen, empirische Studien und fachdidaktische Materialien eigenständig rezipieren und evaluieren.

Art der Prüfung
Mündliches Prüfungsgespräch

Bewertungskriterien
Inhaltliche und sprachliche Korrektheit, klare Argumentation, Bezug zur Fachliteratur

Pflichtliteratur

Leisen, J. (2020). Handbuch Lesen im Fachunterricht: Sachtexte sprachsensibel bearbeiten. Verstehendes Lesen vermitteln. Klett Sprachen.  




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Ziele für nachhaltige Entwicklung
Diese Lehrtätigkeit trägt zur Erreichung der folgenden Ziele für nachhaltige Entwicklung bei.

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