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Freie Universität Bozen

Sozialarbeit in historischen, inter- und transnationalen Kontexten

Semester 1 · 51127 · Bachelor in Sozialarbeit · 6KP · EN · DE


Die Lehrveranstaltung verbindet eine kritische Einführung in die Geschichte und Entwicklung der Sozialarbeit mit inter- und transnationalen Perspektiven. Ausgehend von historischen Ursprüngen in Vormoderne sowie im Kontext von Industrialisierung und Sozialer Frage werden Entwicklungen der Sozialarbeit als Profession und Disziplin bis in die Gegenwart nachgezeichnet und auf sozialpolitische Bedeutungen und Verstrickungen in unterschiedlichen Kontexten und zu unterschiedlichen Zeiten hin untersucht. Die Veranstaltung erweitert den Blick auf inter- und transnationale Perspektiven und Dynamiken der Sozialarbeit, analysiert Machtverhältnisse und globale Ungleichheiten und reflektiert dekoloniale Ansätze sowie transkulturelle Herausforderungen. Die Teilnehmenden entwickeln so ein differenziertes Verständnis sozialarbeiterischer Perspektiven und Handlungsoptionen im Kontext gesellschaftlicher und glokaler Spannungsfelder.

Lehrende: Urban Nothdurfter, Maria Chiara Pedroni

Vorlesungsstunden: 36
Laboratoriumsstunden: 0
Anwesenheitpflicht: Laut Studiengangsregelung

Themen der Lehrveranstaltung
Die integrierte Lehrveranstaltung vermittelt eine historische, internationale und transnationale Perspektive auf die Sozialarbeit und zielt darauf ab, zu verstehen, wie sich Profession und Disziplin in spezifischen sozialen, politischen und kulturellen Kontexten sowie im Rahmen umfassenderer globaler Zusammenhänge entwickelt haben und weiterhin verändern. Durch die Verbindung historischer Rekonstruktion mit aktuellen kritischen Perspektiven bietet die Lehrveranstaltung Instrumente, um Traditionen, Machtverhältnisse und Grenzen, die die Sozialarbeit geprägt haben, kritisch zu hinterfragen und über ihre Rolle angesichts der Herausforderungen zunehmend vernetzter Gesellschaften zu reflektieren.

Unterrichtsform
Unterricht online und in Präsenz Vortrag, Diskussion, Gruppenarbeiten

Bildungsziele
Wissen und Verstehen: • Ein kritisches Verständnis der historischen Entwicklungen der Sozialarbeit entwickeln, einschließlich ihrer Ursprünge, Meilensteine und umstrittenen Narrative. • Erkennen, wie Sozialarbeit sowohl in Unterdrückungssysteme (Kolonialismus, Patriarchat, Rassismus, Klassismus) verstrickt war als auch Formen des Widerstands hervorgebracht hat. • Verstehen, wie Geschichten der dargestellt wurden und sich mit Bemühungen um Dekolonisierung und Pluralisierung dieser Geschichten auseinandersetzen. • Die Herausforderungen und Möglichkeiten der Sozialarbeit in inter-, transnationalen und globalen Kontexten nachvollziehen, insbesondere im Hinblick auf Ungleichheitsgeschichten und Gerechtigkeitsbewegungen. • Die Auswirkungen gesellschaftlicher und sozialpolitischer Entwicklungen auf lokaler, nationaler, europäischer und internationaler Ebene analysieren und in breitere Kämpfe um Rechte, Gerechtigkeit und Anerkennung einordnen. Anwendung von Wissen und Verstehen: • Eine historisch, sozialpolitisch und kulturell reflexive professionelle Haltung entwickeln, die auf Macht-, Unterdrückungs- und Widerstandsverhältnisse achtet. • Historische und transnationale Perspektiven anwenden, um sich kritisch mit aktuellen Dilemmata der Sozialarbeit auseinanderzusetzen, z. B. im Zusammenhang von Migration, globalen Ungleichheiten und post-/dekolonialen Transformationen. • Historische Einsichten mit gegenwärtigen Praktiken verbinden, um inklusivere Formen der Sozialarbeit in verschiedenen Kontexten zu fördern. Urteilsvermögen: • Prozesse der Professionalisierung der Sozialarbeit kritisch beurteilen und deren Verflechtungen mit staatlicher Macht, kolonialen Projekten und sozialer Kontrolle ebenso wie ihre emanzipatorischen und widerständigen Traditionen anerkennen. • Analysieren und bewerten, wie aktuelle gesellschaftliche und politische Entwicklungen – wie Globalisierung, Populismus, ökologische Krisen und Kämpfe um Dekolonisierung – die Praxis und Ethik der Sozialarbeit beeinflussen. • Reflexives Urteilsvermögen darüber entwickeln, welche Rolle Fachkräfte bei der Reproduktion oder Infragestellung von Ungleichheiten spielen. Kommunikation: • Fachspezifische Begriffe, Konzepte und Terminologien erwerben und anwenden, um sich mit der Geschichte und den transnationalen Dimensionen der Sozialarbeit auseinanderzusetzen, unter besonderer Berücksichtigung kritischer, intersektionaler und dekolonialer Begrifflichkeiten. • Komplexe historische und transnationale Fragestellungen in beiden Unterrichtssprachen klar und sensibel kommunizieren, mit Bewusstsein für unterschiedliche Zielgruppen und kulturelle Kontexte. Lernstrategien: • Strategien für unabhängiges und kritisches Lernen, Forschen und Wissenserwerb entwickeln, insbesondere in Bezug auf marginalisierte, verdrängte und dekoloniale Geschichten der Sozialarbeit. • Die Fähigkeit stärken, sich mit unterschiedlichen Quellen und Perspektiven auseinanderzusetzen, auch jenseits von Mainstream- oder eurozentrischen Darstellungen. • Ein dauerhaftes Engagement für lebenslanges Lernen und kritische Reflexion über die ethischen, politischen und historischen Dimensionen der Sozialarbeit in globalen und lokalen Kontexten fördern.

Art der Prüfung
GESCHICHTE DER SOZIALARBEIT Schriftliche Prüfung (Überprüfung von Wissen und Verständnis) (60%) Integrierte mündliche Abschlussprüfung (40%) Die Leistungsbewertung setzt sich aus zwei Komponenten zusammen: einer schriftlichen Prüfung (60 %) und einer integrierten mündlichen Abschlussprüfung (40 %). Die Endnote ergibt sich aus der gewichteten Bewertung beider Prüfungsteile. Die schriftliche Prüfung findet am Ende des Semesters statt und überprüft die Kenntnis und das Verständnis der zentralen historischen Entwicklungen, Zusammenhänge und Themen des Moduls sowie die Fähigkeit, diese fachlich einzuordnen und kritisch zu reflektieren. Die integrierte mündliche Abschlussprüfung (40%) überprüft die vertiefte Kenntnis und das Verständnis ausgewählter Inhalte sowie insbesondere die Fähigkeit, historische Entwicklungen und Zusammenhänge zu erläutern, Bezüge zwischen unterschiedlichen Themen herzustellen und diese kritisch und argumentativ zu diskutieren. Beide Prüfungsteile müssen jeweils positiv bewertet werden, um die Lehrveranstaltung erfolgreich abzuschließen.

Bewertungskriterien
Die schriftliche Prüfung dient der Überprüfung von Wissen und Verständnis der vermittelten Inhalte. Die offenen Fragen zielen insbesondere auf ein kritisches Verständnis sowie auf die Anwendung im Sinne einer historisch bewussten Selbstvergewisserung von Profession und Disziplin. Die integrierte Abschlussprüfung dient eventuellen Nachfragen und Vertiefungen sowie der Verbindung der Inhalte aus den beiden Modulen.

Pflichtliteratur

Siehe Modulbeschreibungen




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Ziele für nachhaltige Entwicklung
Diese Lehrtätigkeit trägt zur Erreichung der folgenden Ziele für nachhaltige Entwicklung bei.

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Modules

Semester 1 · 51127A · Bachelor in Sozialarbeit · 3KP · EN

Module A — Inter- und transnationale Sozialarbeit

Dieses Modul untersucht die Entwicklung der Sozialen Arbeit aus einer inter- und transnationalen Perspektive. Es befasst sich mit den Prozessen der Internationalisierung und beleuchtet dabei das Spannungsverhältnis zwischen einer globalen Definition und einem globalen Verständnis Sozialer Arbeit und den Risiken des professionellen Imperialismus und epistemischer Ungerechtigkeiten. Aus einer transnationalen Perspektive analysiert das Modul zudem kritisch, wie globale Verflechtungen, Machtverhältnisse und historische Hinterlassenschaften zur Gestaltung der Profession und Disziplin der Sozialen Arbeit beitragen. Die Studierenden setzen sich mit den kolonialen und neokolonialen Wurzeln der Sozialen Arbeit auseinander und beschäftigen sich mit Perspektiven des Globalen Südens, indigenen Wissensbeständen und dekolonialer Theorie. Das Modul behandelt außerdem zentrale Themen wie Migration, Menschenrechte, globale Ungleichheiten, grenzüberschreitende Zusammenarbeit und die wichtigsten globalen Herausforderungen der Gegenwart.
Die Teilnehmenden entwickeln ein kritisches und reflexives Verständnis Sozialer Arbeit in unterschiedlichen kulturellen und politischen Kontexten. Sie werden dazu angeregt, dominante Narrative zu hinterfragen und die Prozesse der Inter- und Transnationalisierung sowie die Art und Weise, wie Grenzen und Differenzen definiert und reproduziert werden, kritisch zu analysieren.

Lehrende: Maria Chiara Pedroni

Vorlesungsstunden: 18
Laboratoriumsstunden: 0

Themen der Lehrveranstaltung
- Sozialarbeit aus inter- und transnationalen Perspektiven - Koloniale und neokoloniale Hinterlassenschaften in der Sozialarbeit - Dekoloniale Perspektiven, indigenes Wissen und Ansätze des Globalen Südens - Aktuelle globale Herausforderungen und ihre Auswirkungen auf die Sozialarbeit - Grenzen, Grenzpraktiken und Sozialarbeit

Unterrichtsform
Vorlesungen in Verbindung mit interaktiven Diskussionen im Unterricht.

Pflichtliteratur
  • Cox, D., & Pawar, M. S. (2006). International social work: Issues, strategies, and programs. SAGE
  • Healy, L. M. & Thomas, R. L. (2020). International social work: Professional action in an interdependent world. Oxford University Press, 3rd edition.
  • Healy, L. M., & Link, R. J. (Eds.). (2011). Handbook of international social work: Human rights, development, and the global profession. Oxford University Press.
  • Mapp, S. C. (2020). Human rights and social justice in a global perspective: An introduction to international social work. Oxford University Press.


Weiterführende Literatur

Weitere Informationen und einschlägige Literatur werden zu Beginn des Kurses bereitgestellt.



Semester 1 · 51127B · Bachelor in Sozialarbeit · 3KP · DE

Module B — Geschichte der Sozialarbeit

Das Modul gibt einen Überblick über die Geschichte der Sozialarbeit von ihren vormodernen Vorläufern bis zur Gegenwart. Dabei werden sowohl der lokale und nationale Kontext als auch europäische, internationale und dekoloniale Perspektiven berücksichtigt. Besondere Betonung erfährt die sozialhistorische Gewordenheit der Sozialarbeit als Profession im Kontext gesellschaftlicher und sozialpolitischer Entwicklungen. Vor diesem Hintergrund wird au das Leben und Werk ausgewählter Pionier:innen der Sozialarbeit eingegangen und deren Bedeutung für die Begründung von Traditionslinien in Professions- und Methodenentwicklung kritisch diskutiert.

Lehrende: Urban Nothdurfter

Vorlesungsstunden: 18
Laboratoriumsstunden: 0

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