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Wohnprojekt „Borgo Sostenibile“ in Mailand: Moderne Wohngebäude mit Balkonen umgeben einen begrünten Innenhof mit Grünflächen und Fußwegen unter einem klaren blauen Himmel.
„Borgo Sostenibile“ in Figino, Fondazione Housing Sociale (FHS) – Foto: unibz

CC Cooperatives

Genossenschaftliches Wohnen in Mailand: Einblicke und Erfahrungsaustausch

Eine Studienreise nach Mailand bot Einblicke in bezahlbare und gemeinschaftliche Wohnmodelle und förderte den Austausch zwischen Genossenschaften, Verwaltung und Forschung.

Vom 21. bis 23. September 2026 besuchten die Teilnehmenden einer Studienreise nach Mailand verschiedene Wohnprojekte und Organisationen, die genossenschaftliche und gemeinschaftliche Wohnlösungen entwickeln. Das Programm verband Besichtigungen vor Ort mit Diskussionen über die Organisationsmodelle und die praktische Verwaltung und Bewirtschaftung dieser Wohnformen.

Für das Kompetenzzentrum bot die Studienreise eine wichtige Gelegenheit, Perspektiven aus Praxis und Wissenschaft zusammenzubringen und die Bedeutung der Mailänder Erfahrungen für die Herausforderungen im Wohnungsbereich in Südtirol zu beleuchten.

Neue Wohnprojekte in bestehende Nachbarschaften integrieren

Das Programm begann mit einem Besuch des Borgo Sostenibile in Figino, der von der Fondazione Housing Sociale (FHS) vorgestellt wurde. Die Stiftung fördert die sozialen und gemeinschaftlichen Aspekte des Wohnens durch einen integrierten Ansatz, der architektonische Planung mit Prozessen der Gemeinschaftsbildung verbindet. Dabei unterstützt sie die Bewohnerinnen und Bewohner bei der Organisation gemeinsamer Aktivitäten sowie bei der gemeinschaftlichen Nutzung und Verwaltung von Gemeinschaftsräumen.

In Figino lag ein besonderer Schwerpunkt auf der Beziehung zwischen der neuen Wohnsiedlung und dem bestehenden Stadtviertel. Das Projekt befindet sich in einem ehemaligen landwirtschaftlich geprägten Dorf am Stadtrand von Mailand. Ziel war es, Vertrauen bei der ansässigen Bevölkerung aufzubauen und das neue Wohnprojekt als Chance zu nutzen, Dienstleistungen und Einrichtungen zu schaffen, von denen auch das umliegende Gebiet profitieren kann.

Der Besuch warf eine Frage auf, die weit über Mailand hinaus von Bedeutung ist: Wie kann ein neues Wohnprojekt zur Entwicklung seines Umfelds beitragen? Gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen, Angebote im Stadtviertel und die Förderung des nachbarschaftlichen Zusammenlebens boten konkrete Anknüpfungspunkte für den Austausch.

Genossenschaftliche Ansätze und die alltägliche Nutzung gemeinsamer Räume

Der zweite Tag begann mit einem Treffen bei Confcooperative Lombardia, bei dem das Thema Wohnen im breiteren Kontext des Genossenschaftssektors betrachtet wurde. Die Teilnehmenden diskutierten darüber, welchen Beitrag Genossenschaften zur Bewältigung sich wandelnder Wohnbedürfnisse leisten können und welche Bedeutung Kooperationen zwischen verschiedenen Akteuren dabei haben.

Anschließend besuchte die Gruppe den Consorzio Cooperative Lavoratori (CCL), der sowohl Eigentums- als auch Mietwohnmodelle entwickelt. Im Mittelpunkt des Austauschs stand insbesondere das Konzept Common Housing®, das private Wohnungen mit gemeinschaftlich genutzten Räumen und Dienstleistungen verbindet, um den Austausch und das Zusammenleben der Bewohnerinnen und Bewohner zu fördern.

Bei Common Housing® Bisceglie führte der Architekt des Projekts die Teilnehmenden durch die Wohnanlage. Dadurch konnten die gestalterischen Entscheidungen hinsichtlich der Gemeinschaftsräume mit praktischen Fragen ihrer Nutzung und Verwaltung verknüpft werden. Während der Besichtigung erhielt die Gruppe Einblicke in ein Kinderspielzimmer, einen größeren Gemeinschaftsraum für Feiern und Freizeitaktivitäten, eine gemeinschaftlich genutzte Waschküche sowie verschiedene Außenbereiche. Im Gespräch wurden die Nutzungs- und Verwaltungsmodalitäten dieser Einrichtungen näher beleuchtet, darunter die Organisation gemeinschaftlicher Aktivitäten und die Möglichkeit privater Reservierungen.

Diese Beispiele verdeutlichten, dass der Mehrwert gemeinschaftlich genutzter Räume nicht nur von ihrer Gestaltung abhängt, sondern auch von den organisatorischen Rahmenbedingungen, die ihre Zugänglichkeit und ihren praktischen Nutzen im Alltag gewährleisten.

Soziale Inklusion im Wohnbereich und soziale Begleitung

Der letzte Tag war der Genossenschaft Dar=Casa gewidmet, die Mietwohnungen für Menschen bereitstellt, die Schwierigkeiten beim Zugang zum privaten Wohnungsmarkt haben. Ihre Tätigkeit verbindet die Immobilienverwaltung mit sozialem Management und der Begleitung der Bewohnerinnen und Bewohner.

Eine Führung durch das Wohnprojekt Stadera–Quattro Corti vermittelte Einblicke in die Bedeutung nachbarschaftlicher Beziehungen und einer kontinuierlichen Unterstützung der Hausgemeinschaft. Die Gespräche konzentrierten sich auf die Voraussetzungen für die langfristige Sicherung inklusiver Wohnformen. Besonderes Augenmerk galt dabei den Bedürfnissen der Bewohnerinnen und Bewohner sowie den sozialen Beziehungen innerhalb der Wohnanlage und mit dem umliegenden Stadtviertel.

Von den Mailänder Erfahrungen zu Perspektiven für Südtirol

Im Laufe der drei Tage lernten die Teilnehmenden unterschiedliche Ansätze in Bezug auf die Bezahlbarkeit von Wohnraum, Eigentums- und Mietmodelle, Mitbestimmung und gemeinschaftliches Zusammenleben kennen.

Der Vergleich dieser Erfahrungen half dabei, zentrale Fragestellungen für Südtirol herauszuarbeiten: Wie können gemeinschaftlich genutzte Einrichtungen organisiert und verwaltet werden? Wie können Bewohnerinnen und Bewohner begleitet und unterstützt werden? Welche Rolle können Genossenschaften und öffentliche Institutionen übernehmen?

Die Besichtigungen und Gespräche in Mailand lieferten wertvolle Anregungen, um zu untersuchen, wie unterschiedliche Ansätze zur Weiterentwicklung genossenschaftlicher Praktiken, öffentlicher Maßnahmen und innovativer Lösungen für die lokalen Wohnbedürfnisse in Südtirol beitragen können.

Wir bedanken uns herzlich bei allen Organisationen und Projektverantwortlichen, die uns in Mailand empfangen haben, sowie bei allen Teilnehmenden für ihr Engagement und ihre wertvollen Beiträge zum gemeinsamen Austausch.

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