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Freie Universität Bozen

Direktor des Kompetenzzentrums und Teilnehmende in einem Seminarraum
Bild: unibz

CC Cooperatives

Attraktivität des Genossenschaftssektors für die neuen Generationen

Das Seminar beleuchtete, wie Genossenschaften ihre Attraktivität als Arbeitgeber stärken und junge Generationen gewinnen und binden können.

Am 14. September veranstaltete das Kompetenzzentrum für das Management von Genossenschaften das Seminar „Attraktivität des Genossenschaftssektors für die neuen Generationen“. Im Mittelpunkt standen wissenschaftliche Perspektiven und aktuelle Forschungsergebnisse zur Frage, wie Genossenschaften ihre Attraktivität als Arbeitgeber insbesondere für jüngere Generationen stärken können.

Die Veranstaltung widmete sich einer Herausforderung, die für den Genossenschaftssektor in Südtirol zunehmend an Bedeutung gewinnt: Der demografische Wandel, der zunehmende Wettbewerb um qualifizierte Arbeitskräfte und die Abwanderung junger Menschen machen die Gewinnung und langfristige Bindung von Talenten immer wichtiger.

Eröffnet wurde das Seminar mit einem Beitrag von Prof. Marjaana Gunkel, Dekanin der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften und Professorin für Organisation und Führung an der Freien Universität Bozen. Sie führte in das Konzept der Arbeitgeberattraktivität ein und verdeutlichte die Rolle des Personalmanagements bei der Gestaltung von Arbeitsplätzen, die sowohl für potenzielle Bewerberinnen und Bewerber als auch für bestehende Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter attraktiv sind.

In ihrem Beitrag betonte sie, dass die Gewinnung und Bindung von Mitarbeitenden eng miteinander verbunden, jedoch nicht identisch sind und daher über den gesamten Employee Lifecycle hinweg berücksichtigt werden müssen. Arbeitgeberattraktivität hängt, so Prof. Gunkel, vom Zusammenspiel zwischen den Erwartungen potenzieller Bewerberinnen und Bewerber, den tatsächlichen Erfahrungen der Mitarbeitenden im Arbeitsalltag sowie der Glaubwürdigkeit und Konsistenz der Kommunikation, Prozesse und Verhaltensweisen einer Organisation ab.

Abschließend leitete Prof. Gunkel aus diesen Überlegungen konkrete Maßnahmen ab, mit denen Organisationen ihre Attraktivität als Arbeitgeber stärken können. Dazu gehören der Aufbau einer starken Arbeitgebermarke, flexible Arbeitsort- und Arbeitszeitmodelle, die Förderung der Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben, die Überprüfung der Gestaltung von Aufgaben und Verantwortlichkeiten, die Förderung einer wertschätzenden Organisationskultur sowie die Anpassung und Verbesserung der internen und externen Kommunikation. Diese Maßnahmen verdeutlichen, dass Arbeitgeberattraktivität nicht allein auf Kommunikation beruht, sondern sich auch in der Arbeitsorganisation und in den alltäglichen Erfahrungen der Mitarbeitenden widerspiegeln muss.

Den zweiten Beitrag hielt Dr. Ludger Voigt von der Technischen Universität Braunschweig. Er präsentierte Ergebnisse einer laufenden Studie zu Genossenschaften als Arbeitgeber und zu den Herausforderungen und Chancen beim Aufbau einer unverwechselbaren Arbeitgebermarke. Die Studie ist am Kompetenzzentrum angesiedelt und wird gemeinsam mit Dr. Giacomo Buzzao und Prof. Richard Lang als Co-Forschenden durchgeführt.

Auf Grundlage einer qualitativen Untersuchung mit Vertreterinnen und Vertretern von Genossenschaften, Verbänden, öffentlichen Akteuren und Career Services sowie mit Studierenden untersucht die Studie, wie Genossenschaften vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und des zunehmenden Wettbewerbs um Fachkräfte junge Talente gewinnen und langfristig binden können.

Die vorläufigen Ergebnisse weisen auf ein zentrales Paradox hin: Obwohl Genossenschaften in Südtirol stark verwurzelt und weit verbreitet sind, sind ihre besonderen Merkmale und ihr Potenzial als Arbeitgeber für potenzielle Mitarbeitende nicht immer ausreichend sichtbar. Zudem kann die genossenschaftliche Identität teilweise hinter der Identität einzelner Sektoren wie Landwirtschaft, Sozialwesen oder Wohnungswesen zurücktreten.

Gleichzeitig bietet das Genossenschaftsmodell spezifische Stärken, die zu wichtigen Elementen der Arbeitgeberattraktivität werden können. Dazu zählen Partizipation und demokratische Entscheidungsprozesse, genossenschaftliche Werte und Prinzipien, Stakeholderorientierung, regionale Verankerung sowie die Möglichkeit, einen direkten Beitrag zur lokalen Gemeinschaft zu leisten.

Die Präsentation verdeutlichte, dass erfolgreiches Employer Branding nicht lediglich eine Frage der externen Kommunikation oder einer attraktiven „Verpackung“ sein kann. Vielmehr muss es auf tatsächlich gelebten Werten, Arbeitsbedingungen und Erfahrungen der Mitarbeitenden beruhen. In diesem Zusammenhang bieten insbesondere die stärkere Sichtbarmachung des gesellschaftlichen Zwecks und des regionalen Beitrags genossenschaftlicher Arbeit, die Stärkung der genossenschaftlichen Identität sowie die Einbindung der Mitarbeitenden als glaubwürdige Botschafterinnen und Botschafter bedeutende Chancen für den Sektor.

Das Seminar endete mit einer Fragerunde und einer offenen Diskussion, die Gelegenheit bot, unterschiedliche Perspektiven auszutauschen und konkrete Erfahrungen aus lokalen Organisationen zu reflektieren. Die Teilnehmenden brachten Beispiele, Herausforderungen und Praktiken aus ihren eigenen organisatorischen Kontexten ein und trugen damit zu einem lebendigen Austausch zwischen den im Seminar vorgestellten Forschungsperspektiven und der Realität des lokalen Genossenschaftssektors bei.

Das Kompetenzzentrum bedankt sich bei allen Teilnehmenden für ihre aktive Teilnahme und die anregende Diskussion.

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