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„Mich mit dem Warum zu befassen, war prägend“

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„Mich mit dem Warum zu befassen, war prägend“

#unibzcareers: Als Innovationsmanagerin und Innovatorin hat die 33-jährige Kathrin Pichler 2020 ihr Start-up Wentiquattro gegründet. „Mein Masterstudium in Entrepreneurship und Innovation bin ich sehr fokussiert angegangen - der Wunsch zu gründen wurde dabei nur bestärkt.“

Der Schlüssel für ihre Gründung liegt in der Zeit, oder wohl eher im Zeitmangel: die Kurtatscherin hat nach ihrem Studium einen Notizbuch -Planer entwickelt, der verschiedene Techniken kombiniert, um besser Prioritäten zu setzen, einen guten Überblick zu haben, die Zeit zum Planen und das eigene Tun zu reflektieren und Erfolgserlebnisse festzuhalten. Wentiquattro ist ein Buch, in das man schreiben kann – ganz analog. Wie sie dazu kam? „Meine zwei Beweggründe, weswegen ich gründete, waren es, einmal mir selbst zu beweisen, dass ich aus einer Idee ein Produkt entwickeln kann. Zweitens will ich mit meinem Tun andere Menschen bestärken, ihre Ziele zu verfolgen.“

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Gründerin Kathrin Pichler

Daraus entwickelte Kathrin Pichler ihr „Wentiquattro“, das gleich mehrere Bedeutungen hat: „Ventiquattro bedeutet Vierundzwanzig. Wir haben alle vierundzwanzig Stunden am Tag zur Verfügung, die gilt es, bestmöglich für sich zu nutzen. Ich habe die italienische Bezeichnung gewählt, da ich die Sprachenvielfalt von Südtirol schätze. Das W steht für Women. Ich bin eine Gründerin und ich will auch andere Frauen anspornen, mit dem Notizbuch-Planer Wentiquattro ihre Ziele zu verfolgen.“

Dabei mag es nur auf den ersten Blick erstaunlich wirken, dass jemand aus der Generation Y ein analoges Tool entwickelt: „Es ist nicht die Frage von Entweder-oder zwischen digital und analog, denn beides kommt zum Einsatz. Die digitalen Tools sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das Analoge bekommt mehr Bedeutung, da es persönlicher ist. Ein Buch kann man in der Hand halten, darin schreiben, nachdenken. Genau dieser Moment des Schreibens ermöglicht es, das Drumherum auszuklammern, sich ganz auf sich selbst zu konzentrieren. Viele suchen in der Hektik des (digitalen) Alltags den Freiraum der Reflektion. Dabei hilft das Schreiben,“ ist sich die Gründerin sicher.

Bachelor in Wirtschaftswissenschaften absolvierte sie an der SoWi der Universität Innsbruck mit einem Auslandssemester an der Universität Milano-Bicocca und der Teilnahme an einer Summer School in Vietnam. Darauf aufbauend wählte sie das Masterstudium Entrepreneurship and Innovation der unibz. „Das hatte zwei Gründe“, erläutert die Gründerin, „denn einerseits wollte ich den Themenbereich Innovation vertiefen, andererseits wusste ich, dass ich in Südtirol arbeiten will. Im Masterstudium habe ich dafür den Grundstein gelegt und mir ein Netzwerk aufgebaut. Zwischen Bachelor und Master habe ich ein fünfmonatiges Praktikum in der Abteilung Innovation & Neue Märkte des lvh.apa absolviert, was sich als prägend für meinen späteren Arbeitseintritt erweisen sollte.“


Der Bachelor war für Kathrin vor allem deshalb prägend, da sie erstmals fern von zu Hause lebte und im Alltag auf sich gestellt war. Das Masterstudium hingegen hat ihre Gründung angestoßen. „Der Master hat mir beigebracht, gut hinzuhören, wenn irgendwo etwas nicht funktioniert und dann zu bewerten, ob eine Idee für eine Gründung taugen könnte. Für mich war bereits zu Beginn des Masters klar, dass ich in diesem Themenbereich auch arbeiten will. Deshalb sehe ich den Master rückblickend als Möglichkeit der inhaltlichen Spezialisierung. Als in der Abteilung Innovation des lvh eine Stelle frei wurde, habe ich mich sofort beworben. Am 1. Oktober 2015 hatte ich meinen ersten Arbeitstag, am 7. Oktober habe ich meine Laurea gefeiert.“


Nunmehr arbeitet Kathrin Pichler seit sechs Jahren und leitet die Innovationsabteilung derzeit ad interim. „Wir sind ein Team von vier Personen. Jeder Tag bringt etwas Neues. Einfach ausgedrückt ist es unsere Aufgabe, Handwerksbetriebe beim Beantworten ihrer Fragen zu begleiten und zu unterstützen. Hier ein paar Beispiele: Ich habe eine Produktidee, wie kann ich weitermachen? Gibt es Förderungen? Ich will meinen Betrieb fit für die Zukunft machen, was kann ich tun? Ich will neue Geschäftsfelder aufbauen, wohin soll sich mein Betrieb entwickeln? Ich will mein Produkt patentieren, wie geht das? Diese Fragen arbeiten wir in Veranstaltungen, Workshops und Lehrgänge auf. Wir beraten und vernetzen die Betriebe mit passenden Partnern. Je nach Fragestellung begleiten wir diese Betriebe auch für längere Zeiträume, von mehreren Monaten bis zu einem Jahr. Zudem setzen wir EU-Projekte um.“ Was sie auch im Gespräch erwähnt, wissend um die Bedeutung von Erfahrungen während der Studienzeit, ist es, dass die Innovationsabteilung des lvh immer wieder Praktikant*innen beschäftigt, was für beide Seiten ein wertvoller Zugewinn an Erfahrungen darstellt.

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im Bild v.l. Kathrin Pichler, Giacomo Federle, Corrado Roccazzella und Cornelia Goller

Während des Masterstudiums wählte Kathrin im ersten Semester das Wahlfach Lean Startup mit dem Ziel, in kurzer Zeit Ideen zu finden, zu validieren und ein funktionierendes Geschäftsmodell zu entwickeln. Am Ende des Semesters hat sie mit ihrer Gruppe (im Bild v.l. Kathrin Pichler, Giacomo Federle, Corrado Roccazzella und Cornelia Goller) ihre Geschäftsidee beim Entrepreneurship Evening dem Publikum und der Jury vorgestellt und den Publikumspreis gewonnen.


Im Kurs Entrepreneurship von Prof. Christian Lechner erarbeiteten die Studierenden im Laufe von zwei Semestern Projekte rund um das Thema der Ideenfindung. „In dieser Zeit haben sich bestimmte Denkmuster gebildet, die mir heute noch sehr hilfreich sind, wenn es darum geht, Ideen zu finden und für mich zu bewerten. Bei Prof. Alessandro Narduzzo habe ich einiges an Theorie für Innovationsmanagement mitgenommen und auch die Abschlussarbeit zum Thema Innovation-Ökosysteme verfasst,“ erklärt sie rückblickend.

Doch das Mindset hat sich wohl auch zu Hause gebildet. Kathrin Pichler nennt im Gespräch ihre Mutter Herta Peer und ihren Bruder Daniel Pichler, die mit Casa Salute und Peerbau KG auch beide ihre eigenen Unternehmen betreiben: „Das wollte ich auch schaffen, mein eigenes Unternehmen haben. Ich habe vier Jahre an meiner Idee getüftelt, bis ich im Mai 2020 das Unternehmen Wentiquattro gegründet habe.“

Und dass sie damit auf eine Marktlücke gestoßen ist, zeigt auch das Feedback ihrer Kunden:

„24 ist für mich das perfekte System, wo meine ganzen verrückten Ideen, Arbeiten und Projekte Platz haben, aber auch für meine Familie, Freunde, Me-Time, meine Auszeit und die Dinge, die mir wichtig sind. Die entscheidende Frage zwischen WICHTIG und DRINGEND hat das Bewusstsein für meine wertvolle Zeit erhöht. 24 gibt mir ein Gefühl von Ruhe, Sicherheit und Kontrolle.“ Vanessa Runggaldier

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Ihr stylishes Set bei Wentiquattro

Noch gibt es allerdings einige Hochs und Tiefs, „die wird es immer geben. Prägend war für mich der Moment, als ich begonnen habe, mich mit meinem Warum zu beschäftigen. Ich empfehle jedem das Buch Start with why von Simon Sinnek zu lesen. Auf meine Warums bauen die ganzen Werte von Wentiquattro auf. Inputs hole ich zudem von verschiedenen Seiten. Ich höre sehr viele Podcasts von Personen im In- und Ausland, beispielsweise The Better Version von Philip Pircher, Go for it von Caro Preuss, Madame Moneypenny, Sidepreneur Podcast oder OMR Podcast. Ich besuche Online-Kurse, ich tausche mich sehr viel in meinem Netzwerk aus und ich besuche Veranstaltungen oder Webinars. Zudem tut es gut, einen Einblick in die Betriebsabläufe von anderen Unternehmen zu gewinnen. Das erdet mich, denn bestimmte Abläufe sind sehr bürokratisch und erfordern Genauigkeit – das habe ich immer im Hinterkopf. Inspirationen sammle ich in meinem Ideenbuch. Immer wenn mich etwas stört, es ein Problem gibt oder jemand über etwas klagt, dann schreibe ich es auf und denke mir schon einen Lösungsvorschlag auf. Alle paar Monate blättere ich das Buch durch und schaue nach, ob eine interessante Geschäftsidee dabei ist.“


Den letzten Anstoß für ihre Gründung gab ihr im vergangenen Jahr ein Telefonat mit ihrem Wirtschaftsberater: „Ich hatte immer noch einen Restzweifel, ob ich gründen sollte oder nicht. Ich erzählte ihm von den offenen Rechnungen, die ich demnächst zu begleichen hatte und er sage nur, jetzt brauchst du nicht mehr zu überlegen, sondern zu gründen. Seitdem feiere ich diese Entscheidung und bin mir selbst gegenüber dankbar, dass ich den Mut aufgebracht habe, die Gedanken in die Tat umzusetzen.“

(vic)

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