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Freie Universität Bozen

Teilnehmende, die gemeinsam für ein Gruppenfoto posieren
© ASSETS

CC Cooperatives

Sozialverträglichkeitsprüfung neu denken: Erkenntnisse aus der ASSETS-Generalversammlung

Die dritte Generalversammlung des ASSETS-Projekts fand am 5. und 6. März 2026 in Köln (Deutschland) statt.

Direktor Richard Lang und die Forscherin Alessandra Piccoli nahmen als Vertreter:innen des Kompetenzzentrums für das Management von Genossenschaften teil. Über zwei Tage hinweg führten die Projektpartner strukturierte Diskussionen zu methodischen Fortschritten, zur Entwicklung digitaler Werkzeuge sowie zu ersten Erkenntnissen aus den Pilotimplementierungen in ganz Europa.

Das Treffen bot eine wichtige Gelegenheit, die laufenden Arbeiten zu konsolidieren und die wissenschaftliche Fundierung des interdisziplinären Ansatzes des Projekts zur Messung sozialer Wirkung weiter zu stärken.

Ein zentrales Element des Treffens in Köln war der thematische Workshop „Rethinking Social Impact Measurement in the Social Economy Sector“, der am 6. März stattfand. Der Workshop griff eine zentrale Herausforderung der Forschung zur Sozialwirtschaft auf: die anhaltende Diskrepanz zwischen bestehenden Wirkungsbewertungsrahmen und den tatsächlichen Arbeitsrealitäten von Organisationen der Sozialwirtschaft (SEOs). Traditionelle Modelle, die in erster Linie für externe Rechenschaftspflichten entwickelt wurden, konzentrieren sich meist auf die Ergebnisse für Begünstigte, während organisationale Dynamiken, Arbeitsbedingungen und Jobqualität – zentrale Dimensionen für das Verständnis des tatsächlich von SEOs geschaffenen sozialen Werts – häufig vernachlässigt werden. Darüber hinaus führen bestehende Bewertungsverfahren oft zu einem unverhältnismäßig hohen administrativen Aufwand und berücksichtigen nur selten lokale Besonderheiten oder unterschiedliche Organisationskulturen.

Vor diesem Hintergrund schlägt das ASSETS-Projekt eine methodische Neuausrichtung vor. Im Workshop wurde der integrierte Ansatz des Projekts vorgestellt, der qualitative und quantitative Methoden kombiniert, um verschiedene Formen der Wertschöpfung zu erfassen. Beiträge von Alexandros Pazaitis zu Outcome Mapping und qualitativen Wirkungsprozessen, von Maria Vrachioli zu einer an Kontexte der Sozialwirtschaft angepassten Kosten-Nutzen-Analyse sowie von Georgios Chatzichristos zu strukturellen Grenzen bestehender Bewertungsrahmen verdeutlichten die Notwendigkeit inklusiverer und multidimensionaler Bewertungsmodelle. Diese Beiträge zeigten, wie theoretische Innovation – in Verbindung mit praxisorientierten Instrumenten – dazu beitragen kann, bestehende konzeptionelle Lücken in den Messpraktiken des Sektors zu schließen.

Im Workshop wurde außerdem die erste Version des digitalen ASSETS-Tools vorgestellt, darunter eine mobile Anwendung sowie ein KI-basierter Chatbot, die die Methodik des Projekts praktisch umsetzen sollen. Diese digitalen Instrumente sollen Organisationen der Sozialwirtschaft dabei unterstützen, interne Evaluierungen durchzuführen, die sowohl wissenschaftlich fundiert als auch zugänglich sind. Dadurch können Wirkungen nicht nur in Bezug auf Begünstigte, sondern auch auf Beschäftigte und organisationales Wohlbefinden erfasst werden. Ihre Entwicklung stellt einen wichtigen Schritt dar, um den administrativen Aufwand von Wirkungsanalysen zu reduzieren und gleichzeitig deren analytische Tiefe zu erhöhen.

Die Sitzung endete mit Reflexionen von politischen Stakeholdern sowie einer offenen Diskussion mit Praktiker:innen, die den Bedarf an skalierbaren Instrumenten betonten, die mit aufkommenden europäischen und nationalen Strategien für die Sozialwirtschaft kompatibel sind. Der Austausch unterstrich das Potenzial des ASSETS-Projekts, zu politikrelevanten Debatten über menschenwürdige Arbeit, Digitalisierung und organisationale Nachhaltigkeit beizutragen – insbesondere in einer Zeit, in der Organisationen der Sozialwirtschaft eine zunehmend sichtbare Rolle bei der Bewältigung sozioökonomischer Ungleichheiten in Europa spielen.

Insgesamt bestätigte das Treffen in Köln die wissenschaftliche und gesellschaftliche Relevanz des ASSETS-Projekts. Durch die Verbindung von methodischer Innovation, digitaler Experimentierung und partizipativer Ko-Kreation mit Akteur:innen der Sozialwirtschaft trägt das Projekt dazu bei, ein umfassenderes und kontextsensibleres Verständnis sozialer Wirkung zu entwickeln – eines, das über traditionelle Berichtlogiken hinausgeht und die komplexen Wechselwirkungen anerkennt, die Wertschöpfung innerhalb der Sozialwirtschaft prägen.

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