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Freie Universität Bozen

Ein Haufen Asche mit letztem loderndem Flämmchen

unibz news

Econoclasm: Designstudierende in der Galerie Alessandro Casciaro

Die Angriffe von Klimaaktivist*innen auf Ikonen westlicher Kunst inspirierte Kunststudierende der unibz zu einem spannenden Semesterprojekt, das es gleich in eine Galerie geschafft hat.

Am 14. Oktober 2022 wurde das berühmte Gemälde „Sonnenblumen“ von Vincent Van Gogh von zwei Klimaaktivisten mit Tomatensuppe beworfen. Die AktivistInnen inszenierten ihre Attacke medienwirksam, um damit einen Appell an die Welt zu senden, endlich zu handeln. Diese ikonoklastisch geartete Aktion inspirierte eine ganze Reihe ähnlicher Angriffe auf Ikonen westlicher Kunst. Die öffentlichen Reaktionen darauf bewegten sich vage zwischen moralischer Ablehnung und Zustimmung. Wir fragen uns, warum die Kunstwelt selbst nicht sofort reagiert hat, wo sie doch unmittelbares Ziel dieses Angriffes gewesen ist?

Was bedeutet es also für werdende Künstler, wenn ihre Altersgenossen Kunstwerke als Zielscheibe und Mittel zum Zweck für ihren Protest benutzen? Die Ausstellung „Econoclasm“ in der Galerie Alessandro Casciaro geht genau dieser brisanten Frage nach und versammelt von 23. bis 28. Jänner die Werke von Kunststudierenden der Fakultät für Design und Künste der Uni Bozen – nach deren Ausstellung im Rahmen von „Gäste-Ospiti-Guests“, der Werkschau aller Semesterprojekte der Fakultät für Design und Künste am 20. und 21. Jänner.

Die Gruppe des Studio Exhibit unter der Leitung von Leander Schwazer hat zunächst die musealen Klimaproteste in die mehr als 2000 Jahre alte Geschichte des Ikonoklasmus eingeordnet. Danach wurde das Thema auf die Gegenwart bezogen und Bozen als Aktionsort gewählt. Es geht um Realität, und derer will man hier habhaft werden. Die Zerstörung und Beschmutzung von Kunstwerken ist genauso real wie es den Klimaaktivisten der Klimawandel ist. Der Bezugspunkt der künstlerischen Konzepte ist der Müll der Stadt Bozen, und hier waren es die Kartonberge, die Reste und Zeugen der globalen Warenketten. Die Studenten sammelten sie auf den Straßen von Bozen, um sie schließlich in einer Art Ritual dem Feuer zu übergeben. Der Ascheberg wurde wie ein Schatz fein säuberlich zusammengetragen und bildet das Arbeitsmaterial für die Werke der Studenten. Es wurde als Farbe und für ein großflächiges Gemälde genutzt, in Pillen abgefüllt und zu einer urbanen Architektur zusammengefügt.

Doch die Transformation ergab auch ironische und kritische Objekte, wie zum Beispiel einen biederen, aber höchst vergänglichen Teppich, und mit der Verwandlung in Seife ergaben sich neue Bezüge zum Ritual der Reinigung. Die Kunstwerke sind also in ihrem Kern Übersetzungsarbeiten, von einem Material in ein anderes, von Müll in Kunstwerke. Einer ganz konkreten Übersetzung wird man am Tag der Eröffnung im Rahmen einer Performance beiwohnen dürfen. Es wird eine Art Reinigungsritual von über und über mit Asche bedeckten Körpern geben.

 Die Ausstellung wird am 23. Jänner 2023 in der Galleria Alessandro Casciaro in der Bozner Kapuzinergasse eröffnet. Der Titel der Ausstellung „Econoclasm“ verwebt die Wörter Iconoclasm und Economy miteinander und verbindet damit Ikonoklasmus und Ökonomie. Vielleicht wird mit dieser Wortschöpfung eine ganz neue Kunstrichtung ausgerufen, die hier von den Studierenden erstmals als solche bezeichnet wird. Einer Kunst der Übersetzung, die dem zerstörerischen und ausbeuterischen Verhalten unserer Kultur nicht mit Negation begegnet, sondern produktiv anwendet.

Studierende: Matilde Baldassari, Tino Bors, Francesca Cantele, Ludovica Faro, Claudia Gianella, Dora Musola, Morin Pichler, Viola Silvi, Daniel Walcher, Maria Zugliani

Dozenten: Leander Schwazer, Gerhard Glüher, Davide Tommaso Ferrando

(su)