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Freie Universität Bozen

Tagebücher als Teil der Geschichtswissenschaften
Coverbild der Edition der Tagebücher

Pressemitteilungen

Regionalgeschichte: Mein Gröden. Tagebücher der Grödner Arztgattin Filomena Prinoth-Moroder

Das Kompetenzzentrum für Regionalgeschichte an der Freien Universität Bozen, das Museum Gherdeina, das Frauenmuseum Meran und das Frauenarchiv Bozen stellen die Edition der Tagebücher der Grödner Arztgattin Filomena Prinoth-Moroder vor, die über einen ungewöhnlich langen Zeitraum von 1885 bis 1920 geführt wurden.

Tagebücher haben als Quellen der Erinnerung längst Einzug in die moderne Geschichtswissenschaft gehalten. Es handelt sich um aussagekräftige zeitnahe Dokumente, die zahlreiche Facetten der historischen Lebenswelt dokumentieren und kommentieren. Zudem tritt in Tagebüchern die Autor*in als schreibender Akteur*in plastisch hervor, seine/ihre Subjektivität, die persönliche Sicht auf Situationen und Ereignisse werden greifbar.

Das Tagebuch der aus Meran stammenden und in St. Ulrich eingeheirateten Arztgattin Filomena Prinoth-Moroder dokumentiert die Lebenswelt des Grödentales über einen langen Zeitraum von 1885 bis 1920. Es gewährt Einblick in die Berufs-, Lebens- und Freizeitorganisation einer Arztfamilie als Teil des ländlichen Bildungsbürgertums in einer Zeit tiefgreifender gesellschaftlicher und politischer Umwälzungen.
Filomena Prinoth Moroder hat in vier Tagebüchern auf insgesamt 983 Seiten Buch geführt über den Lebensalltag ihrer Familie, die Geburt der 13 Kinder, von denen nur fünf ihre Eltern überlebten, die Berufstätigkeit ihres Mannes, der Arzt in St. Ulrich war und eine Apotheke führte und in der Filomena mitarbeitete. Detailliert beschreibt sie die sie umgebende Flora und Fauna, besonders die Pflanzen im eigenen Garten, die Zugvögel und die Landschaft. Von besonderem Interesse sind auch die Beschreibungen des religiösen Lebens, von kirchlichen Feiertagen, Festen und Bräuchen insbesondere in der Weihnachtszeit. Da das Ehepaar öfter auf Reisen war, gab dies Anlass zu detaillierten Reisbeschreibungen mit kultur- und kunsthistorischen Details.

Einen Höhepunkt des Tagebuches stellen die ausführlichen Abschnitte über den Ersten Weltkrieg dar. Anschaulich beschreibt Prinoth-Moroder den sich vollziehenden gesellschaftlichen Desillusionierungsprozess, thematisiert die Konfrontation der dörflichen Gesellschaft mit der Mangelwirtschaft des Kriegsstaates und berichtet über den Kriegsalltag am Land.

Bei der Vorstellung der Edition der Tagebücher der Filomena Prinoth-Moroder in St. Ulrich am 10. November 2021 (Museum Gherdeina, Rezia-Straße 83) und in Meran am 11. November 2021 (Frauenmuseum, Meinhard-Straße 2), jeweils um 18 Uhr, wird die Mitherausgeberin Marion Ladurner die Tagebücher inhaltlich präsentieren und die Schauspielerin Patrizia Pfeifer ausgewählte Textstellen vortragen.

Marion Ladurner/Oswald Überegger (Hrsg.), Mein Gröden. Die Tagebücher der Filomena Prinoth-Moroder (1885-1920), Innsbruck: Universitätsverlag Wagner 2018

(vic)

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