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Freie Universität Bozen

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Familiensorgen: Strukturen, Destrukturierung, Veränderungen. Ein Vortrag des Anthropologen Pier Giorgio Solinas

Wie sehr verändern sich Familien und verwandtschaftliche Verhältnisse in der heutigen Gesellschaft? Was sind die anthropologischen Debatten und Visionen angesichts der derzeitigen Krise des Konzepts „Verwandtschaft“? Der Anthropologe Pier Giorgio Solinas wird am 4. November an der unibz in einem öffentlichen Vortrag auf die soziokulturellen Veränderungen eingehen, die von der "heiligen Familie" zu den de-facto-Familien, den Lebensgemeinschaften und den „1000 normalen Familien“ geführt haben.

Pier Giorgio Solinas, ein Schüler von Ernesto De Martino und Alberto Mario Cirese, wird basierend auf seinen Studien zu  Demographie, Eltern-Netzwerken und postmodernen Genealogien vorschlagen, über „die Person“, das Individuum und das Dividuum – also die "teilbare Person" – zu reflektieren. Der Anthropologe wird auf die Linearität und Zirkularität der Zeit eingehen sowie über Geben und Nehmen innerhalb von Familien sprechen und dabei die Logiken, die Strukturen und die Destrukturierung von Exogamie und Abstammung analysieren. In seinem Vortrag wird er über neu erworbene Verwandtschaften und „Stiefkindschaft“ sprechen sowie den Erwerb von Identitäten, einschließlich genetischer und bio-digitaler Identitäten thematisieren.

Pier Giorgio Solinas lehrte viele Jahre Kulturanthropologie und Ethnologie an der Universität von Siena und an ausländischen Universitäten. Er hat ethnografische Forschungen in Italien und Indien durchgeführt und ist Autor zahlreicher Monografien und Aufsätze zur Anthropologie der Verwandtschaft, der Familie und häuslicher Organisationsformen. Ein spezielles Augenmerk widmete er der Anthropologie der Person im Zusammenhang mit den Themen Schuld, Gabe und Herrschaftsverhältnisse.

Zu seinen jüngsten Veröffentlichungen gehören: Lettere dagli antenati. Famiglie, genti, identità. (2020), Colore di pelle colore di casta. Persona, rituale, società in India (2015), Ancestry. Parentele elettroniche e lignaggi genetici (2015), La Famiglie. Un‘antropologia delle relazione primarie (2010).

An der Diskussion werden Valentina Fusari, Giovanni Kezich und Daniela Salvucci von der Freien Universität Bozen teilnehmen.

Der Vortrag mit Diskussion findet am Freitag, 4. November um 17.30 Uhr im F6 – University Club statt (Zugang vom Universitätsplatz 1, Campus Bozen der Freien Universität Bozen).

(vic)