Skip to content

Freie Universität Bozen

Professor:innen auf Planstelle der 1. Ebene | Geschichte der Gegenwartskunst

Inge Hinterwaldner

Short bio

2009 promovierte Inge Hinterwaldner an der Universität Basel in Kunstgeschichte mit einer Dissertation über interaktive Computersimulationen (The Systemic Image, deutsch: Fink 2010, englisch: MIT Press 2017). Stipendien und Förderungen ermöglichten es ihr, ihre Forschung am MECS in Lüneburg (2014), an der Duke University in Durham (2015) und am MIT in Cambridge/MA (2016) fortzusetzen. Von 2016 bis 2018 war sie Professorin für moderne und zeitgenössische Kunst am Institut für Kunst- und Bildgeschichte der Humboldt-Universität zu Berlin. Von 2018 bis 2026 hatte sie eine Professur für Kunstgeschichte am Karlsruher Institut für Technologie in Karlsruhe inne. Von 2023 bis 2024 war sie Senior Fellow am Collegium Helveticum der ETH Zürich. Ihre Forschungsschwerpunkte sind Interaktivität und Zeitlichkeit in den Künsten, computergestützte Kunst und Architektur, die Tektonik programmierter Kunst, Bild- und Modelltheorie, die Ausdruckskraft der Strömungsdynamik sowie die Wechselbeziehung zwischen Kunst und Wissenschaft seit dem 19. Jahrhundert. Im Jahr 2025 war sie Mitkuratorin der Ausstellung „Choose Your Filter! Browser Art since the Beginnings of the World Wide Web“ am ZKM | Zentrum für Kunst und Medien in Karlsruhe. Sie ist PI der ERC-Forschungsgruppe „Coded Secrets: Artistic Interventions Hidden in the Digital Fabric“ (seit 2022), die sich aus verschiedenen Perspektiven und Disziplinen mit der Struktur, dem Konzept, der Ästhetik und der Situiertheit netzbasierter Kunstwerke befasst.

Lehrveranstaltungen

Histories, Theories and Critical Interpretations of Art

47215 · ARTE-01/C · Master in Kritische Kreative Praxis · EN

Forschungsschwerpunkte

Inges Forschungsgebiete beziehen sich auf technologieaffine künstlerische Ausdrucksformen seit den 1960er Jahren. Dazu gehören Bewegungen der Kunst- und Technologie (art&technology) in Europa und Amerika, die beispielsweise unter den Labeln Arte Programmata oder Neue Tendenzen/Nove Tendencije firmieren. Diese Initiativen und Gruppen decken ein breites Themenspektrum ab, das von formalen Experimenten bis hin zu politischer Bildung reicht. Künstler*innen arbeiten mit modernsten technologischen Werkzeugen, wissenschaftlichen Ansätzen und gesellschaftlichen Konzepten. Dementsprechend ist die auch kunsthistorische Forschung im positivsten Sinne herausgefordert, ihre disziplinären Grenzen zu überschreiten. Es ist ein Abenteuer, verschiedene Bereiche zu verbinden und an der Schnittstelle zwischen Kunst und Wissenschaft zu arbeiten. Inge befasste sich insbesondere in den Bereichen ökologische/ökokritische Kunst, Bio Art, sowie mit Arbeiten, die die Bildsprachen der Medizin oder Physik aufgreifen.

Mit ihrer Ausbildung in Kunstgeschichte und Bildwissenschaft untersucht sie mit derselben Leidenschaft bildliche Kommunikationsstrategien in künstlerischen, technischen und wissenschaftlichen Domänen. In ihrer Doktorarbeit führte Inge den Begriff des „systemischen Bildes“ ein, mit dem sie die oft unterschätzte Rolle und Macht von bildlichen Renderings in interaktiven Echtzeit-Simulationen (wie Computerspielen, Trainingssimulatoren oder Experimenten zum künstlichen Leben) beschrieb. Sie analysierte auch, wie Computersimulationen als kybernetische Berechnungen von Prozessen „perspektivisch“, d.h. nicht allumfassend, sind: Sie zeigen die Phänomene spezifisch, nach einem bestimmten Regelwerk.

Digitale, kodierte und netzwerkbasierte Kunst bildet ein wichtiges Forschungsgebiet. Dazu gehören beispielsweise Browser Kunst, Netzkunst, Satellitenkunst und Sky-Art. Das Besondere an Inges Ansatz ist die Arbeit in interdisziplinären Kontexten, die genaue Betrachtung (close reading) der Phänomene auf ästhetischer und technischer Ebene. Die akademische Aufarbeitung trifft hier konservatorische Anliegen. Gemeinsam mit ihren Forschungsgruppen entwickelt sie Methoden und Publikationsformate, die es ihr ermöglichen, die black boxen zu öffnen und weitere, zum Verständnis der Arbeiten zentrale Dimensionen komplexer Kunstwerke zu erschließen. Ihre Forschung stützt sich in diesem Bereich auf Code-, Software-, Game-, Plattform- und Interface Studies etc. Sie entwickelt derzeit einen Ansatz für die Modellbildung in der Kunstgeschichte.

Infoanfrage