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Freie Universität Bozen

Referentinnen und Referenten auf der Konferenz, die zum Publikum sprechen
© unibz / Michela Giovannini

CC Cooperatives

Zeitalter der Unordnung: Konflikt und Kooperation im modernen Kapitalismus

Die 10. Jahrestagung der Italienischen Gesellschaft für Wirtschaftssoziologie (SISEC) fand vom 28. bis 31. Januar in Florenz statt

An der Konferenz nahmen über siebenhundert Personen teil. Das Programm umfasste 43 thematische Panels, interdisziplinäre Austauschformate sowie drei Plenarsitzungen zu zentralen Fragen wie Sozialpolitik in Zeiten des Krieges, der öffentlichen Dimension der Wirtschaftssoziologie und der Transformation des Staates im Kontext möglicher institutioneller Neukonfigurationen, um die aktuellen Veränderungen des zeitgenössischen Kapitalismus besser zu verstehen.

Im Rahmen des Programms fand das Panel "Kooperation und Arbeitsqualität: Herausforderungen, Chancen und Ambivalenzen“, koordiniert von Alessandra Piccoli und Marco Fama, statt. Die Sitzung untersuchte den Zusammenhang zwischen genossenschaftlichen Organisationsformen, Arbeitsbedingungen und alternativen Modellen wirtschaftlicher Organisation. Dabei wurde die doppelte Natur der Kooperation beleuchtet – sowohl als institutionelles Modell als auch als soziale Praxis, die auf Reziprozität, Partizipation sowie auf die Entwicklung individueller und kollektiver Fähigkeiten ausgerichtet ist. Zugleich wurde aufgezeigt, dass Genossenschaften, die häufig im Sinne sozialer Nachhaltigkeit und territorialer Verankerung dargestellt werden, mit strukturellen Grenzen, internen Widersprüchen und Spannungen im Zusammenhang mit Marktdynamiken konfrontiert sind.

Unter den vorgestellten Beiträgen analysierte Alessandra Piccoli die Sozialwirtschaft in Südtirol im Rahmen des Projekts ASSETS und ging dabei auf territoriale, rechtliche und organisationale Dynamiken ein, die ihre Entwicklung prägen. Die Studie, die auf einem Mixed-Methods-Ansatz mit statistischen Daten und qualitativen Interviews basiert, verdeutlichte die Komplexität des Sektors, der durch eine starke Heterogenität der Akteurinnen und Akteure, den Bedarf an verstärkter institutioneller Koordination sowie durch die Notwendigkeit spezifischer Professionalisierungs- und Managementqualifizierungsangebote gekennzeichnet ist. Im Kontext des Projekts wurden zudem die Aktivitäten des Kompetenzzentrums für Genossenschaftsmanagement als integraler Bestandteil des Unterstützungssystems zur Qualifizierung des Sektors hervorgehoben. Im Rahmen der SISEC-Tagung 2026 bot dieser Beitrag eine privilegierte Perspektive, um der Frage nachzugehen, wie genossenschaftliche Praktiken im „Zeitalter der Unordnung“ zugleich eine mögliche Antwort auf die Herausforderungen des zeitgenössischen Kapitalismus darstellen und als Labor sozialer Innovation künftige wirtschaftliche und territoriale Entwicklungspfade mitgestalten können.

In der Session "Brüche und Bindungen: Kollektive Antworten und partizipative Modelle im Zeitalter der Unordnung“ präsentierte Michela Giovannini, Forscherin am Kompetenzzentrum für Genossenschaftsmanagement, einen gemeinsam mit Francesca Forno und Ewa Kopczyńska verfassten Beitrag. Der Artikel "Impacting Conventional Foodways with Food Democracy: Diverse Scaling Strategies in Alternative Food Networks“ analysiert die Strategien, mit denen alternative Ernährungsnetzwerke auf konventionelle Lebensmittelsysteme einwirken und Praktiken der Ernährungsdemokratie sowie Prozesse sozioökonomischer Transformation fördern.

Im selben Panel wurde außerdem der Beitrag "Die Entwicklung demokratischer Innovationen: Eine Längsschnittperspektive auf einen Ernährungsrat“, vorgestellt von Mattia Andreola und mitverfasst von Michela Giovannini und Francesca Forno, präsentiert. Die Studie bietet eine longitudinale Analyse demokratischer Innovationsprozesse im Bereich der Food-Governance und untersucht die Entwicklung und Konsolidierung partizipativer Instrumente in der Ernährungspolitik.

Die Teilnahme an der Tagung stellte eine wichtige Gelegenheit zum wissenschaftlichen Austausch über Fragen der Partizipation, der sozialen Innovation und der Transformation von Ernährungssystemen dar – im Einklang mit den Forschungsaktivitäten des Kompetenzzentrums.

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